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Korrespondenz: Alfred Escher – Johannes Wild

AES B1029 | ETH-Bibliothek Hs 371

Johannes Wild an Alfred Escher, Zürich, Sonntag, 16. Mai 1852

Schlagwörter: Personelle Angelegenheiten, Telegraphenwesen

Briefe

Hochgeachter Herr.

Die mit Ihnen letzter Tage gepflogene Unterredung und Ihre wohlmeinende Aufforderung, ich möchte nochmals die mir gemachten Propositionen reiflich bei mir überlegen namentlich mit Hinsicht auf meine Bedenken wegen der topographischen Karte unsers Kantons und Ihnen dann mit möglichster Beförderung meinen definitiven Entschluß mittheilen, veranlassen mich nunmehr, Ihnen zu eröffnen, daß das Ergebniß meiner wiederholten Prüfung aller dieser Verhältnisse günstiger ausgefallen ist, als ich anfangs erwartet hatte.

Nach dem was ich Ihnen über den Stand unserer Kartensache berichtet habe, werden Sie begreifen, wenn mein Hauptaugenmerk vorzüglich darauf gerichtet war, zu ermitteln, wie die angestellten Arbeiter (ein Zeichner und ein Lithograph) auch während längern Perioden meiner Abwesenheit einer stäten Controlle unter worfen werden könnten, mit andern Worten dafür zu sorgen, daß fast täglich eine Oberaufsicht zugegen sei, welche, wenn auch nicht selbst mitarbeiten, doch in allen vorkommenden Fragen den beiden angestellten Arbeitern die nöthige Anleitung ertheilen u ihnen mit gutem Rath an die Hand gehen würde.

Von diesem Gedanken geleitet, habe ich mit Herrn Oberst Pestalozzi dahier Rücksprache genommen, der unserer topographischen Karte von ihrem ersten Beginne an die anerkennenswertheste Aufmerksamkeit | gewiedmet hat, dem allein man es zu verdanken hat, daß unsere Karte einen bisher nirgend anderswo erreichten Grad von Voll kommenheit erlangen konnte, indem er es war, der die Instructionen für die Aufnahme festgesetzt hat & mir sowie allen dabei beschäftigt gewesenen Personen aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen zum Nutzen u Frommen der Sache manchen guten Rath ertheilte. Herr Oberst Pestalozzi hatte als Mitglied der topographischen Commission bisdahin die Oberaufsicht über sämmtliche Arbeiten übernommen, ihm wurden auch die Vorschläge über die neue Art der Vervielfältigung sowie alle bisher diesfalls abge schlossenen Verträge zur Prüfung und Begutachtung vorgelegt, er hat stets das Rechnungswesen für die topographische Karte besorgt und ist daher mit der ganzen Sachlage und allen ihren Verhältnissen auf's genaueste vertraut – Gründe genug, die mich im gegenwärtigen Augenblick ihn als den einzigen Gewährsmann erkennen ließen und mich bestimmten ihn um seine Meinung zu befragen.

Zwar mit einigem Zögern hat nun Herr Oberst Pestalozzi sich anerboten, die ihm von mir zugedachte größere Mühe übernehmen und meiner Beförderung kein Hinderniß entgegensetzen zu wollen, sofern mir gestattet werde, in etwa vierteljährlichen Zeiträumen für 10–14 Tage nach Zürich zu kommen, um die jeweilen ausgeführten Arbeiten gründlich prüfen und die mir etwa nöthig scheinenden weitern | Anordnungen treffen zu können.

Auch meinem l. Vater habe ich mittler weile von meinem Vorhaben Kenntniß gegeben und obschon er im Hinblick auf sein hohes Alter mich lieber in seiner Nähe gehabt hätte, so machte ihm die ehrenvolle Stellung, in die ich versetzt werden soll, so große Freude, daß er es gänzlich mir anheimstellte, zu thun was ich für gut fände, indem er bloß den Wunsch aussprach, ich möchte mir dabei die Erlaubniß erbitten, ihn von Zeit zu Zeit besuchen zu dürfen. Hierzu würde sich nun aber Gelegenheit finden, so oft ich für unsere Kartensache nach Zürich kommen könnte.

Somit wäre nun das Eine Bedenken ge hoben und wenn die übrigen gleichwohl immer noch mir eine freudige Zusage erschweren, so erkläre ich mich dennoch bereit, die mir angebotene Stelle bei der eidgenössischen Administration anzunehmen, in der Hoffnung durch angestrengten Fleiß und guten Willen Die mir noch mangelnden Kenntnisse und Erfahrungen auf diesem wichtigen Felde der Thätigkeit aneignen zu können.

Äußerst wünschbar wäre mir jedoch, wenn meine Berufung nach Bern noch etwa drei bis vier Wochen verzögert werden könnte eine Verzögerung, die schon durch die nothwendig werdende Lösung aus meiner kanto nalen Anstellung eintreten dürfte, die mir aber deshalb so wichtig erscheint, weil es dann bisdahin möglich sein dürfte, das erste Blatt unserer Karte zu beendigen, wonach die angestellten Arbeiter desto eher in den Stand gesetzt wären, mit | der ganzen Behandlung und Haltung der Blätter sich vertraut zu machen.

Indem ich Ihnen hiermit diesen meinen Entschluß nebst den wahrscheinlichen Bedingungen, unter welchen eine Realisierung deshalben ermöglicht werden dürfte, zu Handen MHHrn Bundesrath Näff schriftlich mittheile, sehe ich mich neuerdings verpflichtet, Ihnen für das mir bewie sene Wohlwollen mir verbindlichsten Dank aus zusprechen und Ihnen die Versicherung zu geben, daß ich mich jederzeit bestreben werde, mich desselben würdig zu erhalten.

Genehmigen Sie Hochgeachteter Herr Regiergspräsidt den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochschätzung u Ergebenheit

Zürich 16 Mai 1852

J. Wild. Ing

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