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Korrespondenz: Alfred Escher – Johannes Wild

AES B1021 | ETH-Bibliothek Hs 371

Alfred Escher an Johannes Wild, Bern, Samstag, 17. April 1852

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahngesetze, Personelle Angelegenheiten, Telegraphenwesen

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Ich soll in einer Angelegenheit an Sie schreiben, in der ich in einen eigenthümlichen Conflict der Pflichten gerathe.

Herr Bundesrath Näff ist eben mit der Besetzung der Stelle eines Directors der Telegraphie beschäftigt. Er trägt sich dabei mit dem Plane, diese Stelle nach & nach in diejenige einer Eidgenössischen Baudirection auszudehnen. Diese letztere würde in 3 Abtheilungen zerfallen: 1) Civilbauten (Bundesrathhaus, Straßenbauten, an welche die Eidgenossenschaft beitragen würde, Entsumpfungsprojecte mit Unterstützung der Eidgenossenschaft u. s. f.) 2.) Eisenbahnen (mit Beziehung auf welche auch für den Fall, daß sie dem Privatbaue überlassen würden, Begutachtungen aller Art nothwendig wären) 3) topo- graphische Arbeiten. Herr Bundesrath Näff würde nun | der Baudirection für jeden dieser Zweige einen Hauptassistenten beigeben & es dürfte dabei für die erste Abtheilung an Herrn L. Baumgartner & für die zweite an Herrn Koller gedacht werden. Von der Besetzung der dritten Hauptassistentenstelle habe ich bis zur Stunde nicht sprechen gehört. Dieß wäre ungefähr der Organismus der Baudirection. –– Nun handelt es sich zunächst um Besetzung der Baudirection, welche vor der Hand als Telegraphen Direction compariren würde & die mit einem Gehalte von 3600 ffs (neben einem Taggelde & Fahrentschädigung für Reisen) verbunden wäre. Herr Näff hat die Güte gehabt, mich anzufragen, wen ich ihm für diese Stelle vorschlagen könnte. Ich habe nun nicht angestanden, die Aufmerksamkeit des Herrn Näff auf Ihre Person zu lenken, & ich überzeugte mich dann sogleich davon, daß es | dessen nicht einmal bedurft hätte, da Herr Näff sein Augenmerk bereits auf Sie geworfen. Herr Näff hat mich am Schlusse unserer dießfälligen Unterredung ersucht, an Sie zu schreiben & Ihnen die bezeichnete Stelle anzubieten, mit dem Beifügen, daß er geneigt wäre, theils auf diese oder jene Veränderung in der Gestaltung dieser Stelle, welche Sie etwa wünschen möchten, einzutreten, theils Ihnen zur Lösung der Verhältnisse, in denen Sie sich gegenwärtig befinden, die erforderliche Zeit zu lassen.

Das ist nun die wichtige Eröffnung, die ich Ihnen zu machen habe & wenn ich einsehe, daß wir in Zürich in Folge derselben Gefahr laufen, Sie aus Ihrem cantonalen Wirkungskreise, in dem Sie bisanhin so Ausgezeichnetes geleistet, scheiden zu sehen, so habe ich eben deshalb im Eingange bemerkt, daß die Angelegenheit, in | der ich Ihnen zu schreiben habe, mich in einen eigenthümlichen Conflict der Pflichten gerathen lasse.

Indem ich Sie ersuchen muß, den Inhalt meines Schreibens, soweit es die Verhältnisse irgendwie thunlich erscheinen lassen, vor der Hand geheim zu halten, benutze ich mit Vergnügen diesen Anlaß, Sie meiner vorzüglichen Hochachtung & Ergebenheit zu versichern.

Dr A Escher

Bern
17. April. 1852.

Kontexte