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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B1007 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#454*

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Zofingen, Donnerstag, 25. März 1852

Schlagwörter: Grosser Rat AG, Parteienstreitigkeiten, Rechtliches, Regierungsrat AG, Regierungsrat ZH, Telegraphenwesen, Wahlen

Briefe

FRIED: BLASER
BUCH & SCHREIBMATERIALIENHANDLUNG
ZOFINGEN.

Lieber Freund!

Indem ich Dir die gefällige Anzeige verdanke, daß Deine Regierung den § 5 des Telegraphenvertrages habe fallen lassen, kann ich Dir erwiedern, daß die aarg. Regierung am 22ten d. M. das Gleiche gethan hat, obgleich die 6 für ein Bureau sich bewerbenden Gemeinden alle noch unentgeltliche Heizung verheissen haben, Zofingen überdieß noch ein jährliches Quantum Holzstangen, so wie der Staat vollkommen dasselbe wie Zürich. Liestal hat Gleiches ebenfalls gethan & hoffentlich bleibt | Basel nicht zurük, wenn es durch Herrn Stehlin vernimmt, daß andere Kantone, wie Aargau, wo er unterhandelt hat, vorangegangen sind. –

In unserem Kanton scheinen die am künftigen Dienstag erfolgenden Wahlen für den neuen Grossen Rath viel Interesse zu erweken; wenigstens vernehme ich das hin & wieder. Gut ist's, wenn die Leute merken, daß am Grossen Rathe nun mehr als je Alles gelegen ist & noch besser wird es sein, wenn die Behörde eine für Mässigung, Solidität & Intelligenz empfängliche Mehrheit enthalten wird. Würde der Geist des lezten Verfassungsrathes vorherrschen, so hätte wahrscheinlich der Kanton eine schwere | Lehrzeit durchzumachen. –– Wie es mir dabei gehen wird, ist wie so Vieles sehr ungewiß; wird die neue Partei entschieden Meister, so werde ich mit Anderen zum alten Eisen geworfen; ich erwarte das um so ruhiger, weil ich mich nicht vor dem Rost fürchte & gesundes Eisen zu verbleiben hoffe, so wie weil ich keine Stelle in der Regierung mehr wünsche & kaum mehr annehmen könnte. Was der hiesige plebs (im schlimmen Sinne des Worts) zu thun vermocht werden wird, ist ebenfalls ungewiß, so daß ich nicht weiß, ob ich nur in den Gr. Rath gewählt werde. Ob die Minderzahl gebildeter & solider Leute durch| dringen wird hier & anderwärts, ist Gott bekannt. In Aarau wollen sie sich zusammennehmen wenigstens; hier habe ich noch wenig gehört.

So fatal aber auch die Sachen theilweise jezt schon aussehen & vielleicht noch mehr werden, ebenso sehr bleibt & wächst die Pflicht, jeweilen nach Möglichkeit seine Bürgerpflicht & nach Ueberzeugung zu thun; hoffentlich verläßt mich diese Gesinnung nicht, die mich je nach Umständen auch fortan um so kräftiger beleben wird, als ich meine ganze Persönlichkeit ohne Furcht & Scheu Preis geben darf.

Mit freundschaftlicher Ergebenheit

Dein

Siegfried.

Zofingen 25 Merz
52.

Grüsse gelegentlich Honegger.