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Korrespondenz: Alfred Escher – Rudolf Bollier

AES B1000 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#422*

Rudolf Bollier an Alfred Escher, s.l., Dienstag, 9. März 1852

Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Grütliverein, Parteienstreitigkeiten, Regierungsrat ZH

Briefe

Mein Lieber!

Als Neuestes theile ich Dir mit, daß in dem Grütliverein eine Berathung darüber statt gefunden hat, was nunmehr zu thun sei. Es soll eine Ver ständigung dahin statt gefunden haben, eine Volksversammlung zu veranstalten, die den Zweck habe zu verlangen, daß Du & ich aus der Regierung austreten müssen, weil wir diejenigen seien, welche den Volkswillen am meisten mit Füßen treten. Mög lich, daß in diesem Sinne eine Petition an den G Rath gerichtet wird, indem sie hoffen, daß wir, sobald der entschiedene Wille kund werde, freiwillig zurücktreten werden. Über das Nähere hoffe ich Dir in den nächsten Tagen Mittheilung machen zu können. Noch ist mir unbekannt, ob T. mit diesem Beginnen einverstanden ist, oder ob er überhaupt nur Kenntniß von demselben hat. – Ich denke die Leute dürften sich an unserer Gutmüthigkeit in dieser Richtung verrechnen & vielleicht auch an dem leichten Gelingen! Übrigens halte ich es für gut, wenn sie mit solchen Begehren kommen: man sieht schneller wo hinaus es zielt & das Ganze wird um so bälder abgespielt sein. Nochmals werden wir zusammen die süße Zeit des Regierens zu genießen haben! Einst weilen lasse ich mir jedoch die Ruhe noch nicht stören. |

Soeben geht Statthalter Gujer von mir weg: er ist voll Feuer & Flammen gegen die Bewegung & schimpft nebenbei tüchtig über die Conservativen der Stadt Z. Auch er ist für entschiedenes Auftreten der Regung & des G Rathes & gegen alle & jede Con cessionen. Ohne Zweifel wird er im nächsten G Rathe sich entschieden aussprechen.

Wie geht es Dir? Ich hoffe besser! Empfange die herzlichsten Grüße von Deinem

R

9/3/52.

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