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Korrespondenz: Alfred Escher – Oswald Heer

AES B0997 | ZBZ Nachl. O. Heer 184.2

Oswald Heer an Alfred Escher, Zürich, Dienstag, 2. März 1852

Schlagwörter: Krankheiten, Reisen und Ausflüge, Universitäre Studien, Universität Zürich

Mein lieber Freund!

Schon längst wäre ich gerne nach Belvoir gekommen; wurde aber bald durch die schlechte Witterung, bald durch Unwohlsein (das aber jetzt vorüber) daran verhindert. Es hat mich aber herzlich gefreut indiserte zu hören, daß Frau Escher ganz hergestellt sei. Möge es nun von recht langer Dauer sein!

Da die Zeit heranrückt in der die geologischen Vorträge gehalten werden sollen, möchte Dich bitten mir nur in ein paar Worten zu sagen, wie unser Gesuch in Betreff der Benutzung des Großrathssaales aufgenommen wurde. Es sollten nun nächstens die Vorbereitungen getroffen werden. Hinsichtlich der Besitzthumsverhältniße habe mich bei Escher erkundigt. Er sagt, daß die Säugethierreste (welche aus den Braunkohlenlagern des Staates kommen) Staatseigenthum seien; alles Uebrige dagegen gehöre zur Sammlung, welche die Stadt dem Staate zur Benutzung überläßt. Es werden jährlich von der Stadt etwa 40 Louisd. darauf verwendet und diese für die Neu-Anschaffungen verausgabt, während der Staatsbei trag für den Unterhalt und Herstellung der Schränke u. Kästen dient. Da die neu angeschafften Sammlungen keine Säugethiere, sondern alles wirbellose Thiere u. Pflanzen ent halten, müßen sie beim Einordnen der Stadtsammlung einver | leibt werden, denn es wäre gar nicht möglich eine Trennung durch zuführen. Ferner findet sich darunter eine Menge Doubletten, welche zum Tausche verwendet werden; dieser Tausch würde aber ungemein erschwert, wenn bei jeder Tauschsendung die Exemplare ausgemittelt werden müßten, welche gegen dem Staat oder der Stadt angehörende Petrefacten erhalten worden. Diese sonst schon sehr zeitraubende und mühsame Arbeit würde dadurch vervielfacht werden.

In wißenschaftlicher Beziehung ist das Besitzthums Verhältniß gleichgültig, da die Staatsanstalten freies Benutzungsrecht haben und das jetzige sogar wünschens werth, da die Stadt jährlich einen so bedeutenden Bei trag leistet.

Da Du gegenwärtig gewiß vielerlei Verdrüßlich keiten hast, drücke Dir doppelt warm die Hand u. verbleibe unter den herzlichsten Grüßen an die lieben Damen

Dein treu Ergebener

Osw. Heer.

Zürich 2 Merz 1852.

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