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Korrespondenz: Alfred Escher – Johannes Mohr

AES B0961 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#355*

Johannes Mohr an Alfred Escher, Stäfa, Freitag, 12. Dezember 1851

Schlagwörter: Wahlen

Briefe

MHHerren Regierungs Präsidenten
& Nationalrath Dr A Escher
in Bern.

Hochgeachteter Herr!

Ihr geehrtes vom 5ten diß würde Ihnen sofort beantwortet haben hätte ich nicht zuwarten wollen bis ich im Stande sei Ihnen etwas umständlicher berichten zu können. –

Sie werden in der NZZtg eine Einladung zu einer Vorversamlung in unserer Wahlangelegenheit geleßen haben, diese Vorversamlung hat nun Gestern in der Sonne in hier statt gefunden und es war dieselbe zahlreich besucht; – – von Wädenschweil war Hr Sulzberger selb' ander, von Richterschweil Hr alt Nationalrath Hürlimann selb' viert' anwesend, von Küssnacht, Erlenbach & Herrliberg war niemand da, | von Meilen Hr Proc: Hasler, von Uetikon niemand, Männedorf Hr Statthalter Billeter mit Mehrern; – aus dem Bezirk Hinweil war Wald und Wetzikon repraesentiert, Stäfa war stark vertretten, von Oetweil war – niemand da, dagegen von Hombrechtikon Mehrere. –

Ich hatte die Ehre die Versamlung zu leiten, Hr Hürlimann schlug Herrn Huber als Canditaten vor einen Gegenvorschlag gab es nicht, dennoch hätte ich, und zwar wie es sich nachher zeigte aus ganz richtigen Gründen, eine geheime Abstimmung mit Ja oder nein gewünscht, Hr Sulzberger trat aber diesem entgegen und so kam die beigelegte Wahl karte als einstimmig zu Stande.

Ich sagte daß ich eine geheime Abstimmung über den Vorschlag wünschte und zwar aus dem Grunde | weil ich aus Erfahrung weis daß so lange diese nicht statt findet man die wahre Stimmung nicht kennen lernt. – auch hier hatte ich mich nicht getäuscht. Die Herren von Wald erklärten mir nach her daß sie mit dem Vorschlag nicht einverstanden seien und daß es ihnen schwerlich gelingen werde für denselben Intreße zu weken; – wäre nun diese Stimmung in der Versamlung kund geworden so hätte man derselben offen mit Gründen entgegentretten können, was ich freilich hintenher that und auch die Zusicherung erhielt daß das möglichste gethan werden solle. –

Was nun meine Thätigkeit in dieser Sache anbetrift so hat sich dieselbe nicht blos auf meine Zunft beschränkt ich habe spezielle Einladungen in alle Gemeinden | des Bezirkes Meilen an Bekante geschrieben und heute noch persönlich Oetweil und Hombrechtikon mit zwei Freunden von hier bereist; wie ich überdem, – daß ich persönlich jedermann bei dem ich es zwekmäßig erachtete, – hier in Stäfa angesprochen, – noch auf die Stimmung der hiesigen Bürger einzuwirken suchte das mögen Sie dem hier beigelegten Wochenblatt entnehmen;

Aus allem diesem werden Sie sich nun überzeugen daß ich mein möglichstes gethan habe und bis ans Ende thun werde. –

Genehmigen Sie Hochgeachteter Herr! auch bei diesem Anlas die Versichrung meiner aufrichtigen Hochachtung & Ergebenheit mit welchen die Ehre habe zu zeichnen

Joh Mohr
Präs.

Stäfa den 12 Dec 1851.

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