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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B0960 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#244*

Franz Hagenbuch an Alfred Escher, s.l., Mittwoch, 10. Dezember 1851

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Bundesrat, Demissionen, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kommissionen (kantonale), Presse (allgemein), Rechtliches, Regierungsrat ZH, Religion, Wahlen, Währungssystem

Briefe

Mein Freund!

Die mitfolgenden Drei Exemplare Büdgets sind die einzigen, die ich Dir gegenwärtig schicken kann; es ist dieses der Überschuß der für die Staatsrechnungsprüfungskommission abgezogenen Exemplare; d. Druck für die Mitglieder des Gr: Rathes ist wegen des Anhanges noch nicht vollendet.

Auf die Antwort des Bundesrathes in der Münzangelegen heit bin ich etwas gespannt; bei der Bestimmtheit, mit welcher er sich in seinem letzten Schreiben aussprach, kam mir Dein Bericht, mit welchem auch ein Artikel im «Bund» in Einklang steht, et was unerwartet.

Die Akten für die Konferenz betr: d. reform: Kirche in Luzern wird Dir Sulzer heute geschickt & dir den natürlichen Grund mitgetheilt haben, warum es nicht früher geschah. Über die an Bs Stelle zu treffende Wahl wird wohl heu te Abend etwas geplaudert werden. Wenn wir im K. Zürich einen Mann hätten, der sich in Finanzsachen so hervorgethan hätte, | wie dieses z. B. bei Speiser in Basel der Fall ist, so sollte man ihn meiner Ansicht nach zu gewinnen suchen, selbst wenn er seiner politischen Gesinnung nach nicht in Allem mit der Regierung übereinstimmte. Allein eine solche Persönlichkeit ist mir nicht bekannt, & da ist es das Natürlichste, daß man sich zunächst im eigenen Lager umsieht, & zwar nach einem Man ne, dem man die Finanzdirektion übertragen kann; denn die gleichen Gründe, aus denen man sie früher nicht W. zutheilen wollte, dürften auch jetzt wieder maßgebend sein. Unter un seren Kaufleuten & Fabrikanten, an die man denken könnte, wird sich kaum jemand zur Übernahme der Stelle bequemen wollen. Das Natürlichste scheint mir daher, Staatsschr: S. zu wählen. Ich weiß zwar wohl, daß er sich in finanziellen Sachen bisanhin mehr in kritisirendem Sinne äußerte, & daß es un endlich leichter ist, selbst sehr gut zu kritisiren, als Eigenes zu schaffen; indessen hat er sich mit diesem Zweige der Verwal tung am meisten Beschäftigt, er hielt immer darauf, daß das Staatsvermögen sorgfältig behandelt werde, er kennt die Bedürf nisse des Staates & hat gewiß mehr als Viele andere den Mit teln nachgedacht, aus denen sie befriedigt werden können. Du überzeugtest Dich gewiß auch schon, daß er den Ehrgeiz hat, was er macht, recht zu machen. Bei Leuten nun, die in diesem Bestreben durch Bildung & einen klaren Verstand unterstützt werden, & damit Ehrenhaftigkeit des Charakters verbinden, | wie dieses bei S. gewiß der Fall ist, läuft man durch Übertragung eines wichtigen Amtes keine Gefahr. Die schwachen Seiten Ss kennst Du so gut, wie ich. Seine Sucht, in Allem eine eigene Meinung zu haben, gehört nicht zu den geringsten dieser faibles; indessen wird er einsehen, daß, wenn er in ein Kollegium tritt, in dem er eine vernünftige Stellung ein nehmen will, er Andere auch hören muß, & dann ist es auch ein Unterschied, im Gespräche durch eine apparte Meinung Geist zu entwickeln, als solches [...?] in einer Behörde vor zubringen, wo das Geistreicherscheinen dem Durchdringen mit seiner Ansicht weichen muß.

Das Alles weißt Du übrigens schon, allein, wenn Du mit mir einverstanden bist, so werden dich diese Äußerungen vielleicht etwas in Deiner Ansicht bestätigen, bist du aber anderer Meinung, so schadet es nichts, auch die meinige gehört zu haben.

Nur Eines noch: Ich würde S. nicht wählen, wenn ich ihm nicht auch die Finanzen übertragen wollte. Das wird ihn spor nen. Wird man ihn da & Dort zum Beisitzer u. s. f. wählen & ihm meinetwegen auch noch irgend eine bestimmte Abtheilung übertragen, so würde er erschlaffen.

Ich hoffe, Du werdest diese Äußerungen nicht als eine oratio pro domo ansehen; denn wenn ich auch die erste | Staatsschreiberstelle lieber erledigt, als besetzt, sehe, so würde Das deinen oeconomicorum causa von dir mit Unrecht oft gefoppten Freund nicht bewegen können, gegen bessere Überzeugung zu sprechen.

Grüße mir Dubs den rosafarbnen, meine übrigen Freunde wissen schon, daß ich es gut mit ihnen meine, & so auch Du.

Dein

Hagenbuch.

10. XII. 51.

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