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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Tobler
  • 1820
  • 1830
  • 1840
    1. von Johann Jakob Tobler, [1850] Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Universitäten und Hochschulen (diverse), Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Regierungsrat ZH, Bildungswesen, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B0739
    2. von Johann Jakob Tobler, 25. September 1850 Schlagwörter: Erziehungsrat ZH AES B0830
    1850
    1. von Johann Jakob Tobler, 16. April 1851 Schlagwörter: Krankheiten, Eisenbahngesetze, Rechtliches, Bildungswesen, Personelle Angelegenheiten, Bundesjubiläum ZH (1851), Feiern und Anlässe, Erziehungsrat ZH, Kommissionen (eidgenössische) AES B0876
    2. von Johann Jakob Tobler, 18. April 1851 Schlagwörter: Bildungswesen, Personelle Angelegenheiten, Wahlen, Erziehungsrat ZH, Bundesjubiläum ZH (1851), Feiern und Anlässe, Rechtliches, Kommissionen (kantonale) AES B0877
    3. von Johann Jakob Tobler, 5. Dezember 1851 Schlagwörter: Nationalratspräsident, Erziehungsrat ZH, Bildungswesen, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Personelle Angelegenheiten, Staatsstreich Louis Napoléons (1851), Revolutionen (1848/49), Rechtliches, Universität Zürich, Kommissionen (kantonale) AES B0954
  • von Johann Jakob Tobler, 21. Juli 1852 Schlagwörter: Bildungswesen, Eisenbahngesetze, Eidgenössische Universität (Projekt) AES B1047+
  • 1860
  • 1870
  • 1880
  • o. J.

AES B0954 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#498*

Johann Jakob Tobler an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 5. Dezember 1851

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Bildungswesen, Erziehungsrat ZH, Kommissionen (kantonale), Nationalratspräsident, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Revolutionen (1848/49), Staatsstreich Louis Napoléons (1851), Universität Zürich

Briefe

Hochgeachteter Herr und Freund!

Da es mir die Zeit erlaubt, Ihnen zu schreiben, und da Sie, mit 12 Stimmen zum Präsidenten des Nationalrathes nicht vollständig gewählt, vielleicht doch einen Augenblick, den Sie sonst auch in der Petitionskommission hätten zubringen können, finden dürften, einen Brief zu lesen, so wage ich es, Sie für einen Moment in Belagerungszustand zu versetzen, und zwar zuerst mit einigen Geschäften Ihres gegenwärtig stillen Departements der Erziehung. In letzter Sitzung des Erziehungsrathes wurde über die Unterstützungen an Schulgenossenschaften und Schulgenossen entschieden; ich habe jedoch erst gestern Abends noch die Eingabe aus dem Bezirke Horgen erhalten können, und nun bedürfen wir etwa 2 Tage zur genauer Ausrechnung der Ansätze, worauf dann sofort die bestellte Kommission ihre Aufgabe vollzie-hen, u. die ganze Geschichte an den R.R. abgehen soll. Es zeigt sich nun noch ein neuer Uebelstand, über den ich doch gerne Ihre Ansicht zu kennen wünschte. Bei den Unterstützungen an Schulgenossenschaften (Kassadefizits) ist beschlossen worden, auf Grundlage des vorjährigen Vertheilens 10,000 Fr. zu gleichem Verhältnisse zu vertheilen. Nun zeigt sich, daß bei vorjährigem Zutheilen einzelne Gemeinden (namentlich im Bezirke Zürich,) und zwar meistens wohlhabende, wie Altstätten, Außersihl, Hottingen, Riesbach, Enge, in andern Bezirken nur die wohlhabensten u. wenige aus dem Grunde gar nichts erhielten, weil sie sich nicht gemeldet hatten, da früher wirklich nicht alle Gemeinden an diesen Staatsbeitrag Ansprache machten. Dieß sind nun aber auffallender Weise gerade die Gemeinden, welche nach dem neuen Reglement die stärksten Defizits haben. Hält man sich nun streng an den gefaßten Beschluß und den vorjährigen Verleger, so erhalten diese Gemeinden, ungeachtet ihres dießjährigen Defizits, auch dieß Jahr nichts. | Es dürfte dieß den Eingaben gegenüber auffallen; aber dennoch bin ich doch der Ansicht, daß man sich nun wirklich ganz an den Beschluß u. den vorjährigen Verleger halte, weil es wirklich nur die ausgemacht wohlhabensten Gemeinden trifft, die nie als «dürftige Schulgenossenschaften» betrachtet werden können, u. weil ihre Zahl nicht groß ist, da in den andern Bezirken fast alle Beiträge erhielten. Wollte man auch diese Gemeinden bedenken, so entstünde die neue Frage, nach welchem Verhältnisse dieß zu geschehen habe, und es ergäbe sich eine noch grundlosere Zutheilung. Da dann überdieß die Beiträge in Folge der kleinern Summe, (10,000 Fr: statt 13.500 Fr) durchgehends kleiner werden als voriges Jahr, so würden sie, wenn man diesen Gemeinden auch noch Summen zuschreiben wollte, vielleicht im Verhältnisse zu ihren Defizits, noch kleiner, u. die wirklich bedürftigen Gemeinden würden so auf Kosten reicher in Nachtheil kommen. Es scheint mir also, man solle ganz wie voriges Jahr verfahren, da man nun ja von den dießjährigen Eingaben auch ganz abgegangen ist. So habe ich jetzt den ganzen Kanton durchberechnet, u. es hielte jetzt schwer, wieder Alles umzuändern, um einen Betrag verhältnißmäßig abzuziehen u. zu gewinnen, wenn man diese Gemeinden doch noch bedenken wollte. Aber doch wollte ich Ihnen hievon Mittheilung machen.

Beigelegt finden Sie einen Brief von Herrn Sem.Dir. Zollinger u. eine Antwort von Lehrer Berger. Dem Herrn Präs. Keller in Fischenthal hatte ich in Ihrem Auftrage geschrieben, wie die Sachen stehen. Nun ist H. Boßhard, Sekretär der Spitalpflege zu mir gekommen, u. hat mir mitgetheilt, daß H. Mann, Redakteur des Republikaners, im Ktn Aargau patentirter Bezirkslehrer mit Neujahr u. mit Eingang des Republikaners ganz stellen- u. brodlos dastehe, u. daß man ihm doch zu einer Stelle verhelfen sollte. Es sei nicht zu bezweifeln, daß er ein ausgezeichneter Sekundarlehrer sein würde, er sei auch geneigt, wenn es gefordert werde, e. Prüfung zu bestehen, doch würde er vorziehen, einstweilen nur zur Aushülfe nach Fischenthal abgeordnet zu werden, um die Prüfung im Frühlinge desto besser bestehen zu können. Es scheint mir, man könnte auf die Ideen eingehen, oder ihm sofort e. Prüfung gestatten; jedenfalls könnte man vielleicht Herrn Keller Kenntniß geben. Dagegen hat wohl H. Sem.Dir. Zollinger den ihm gegebenen Auftrag nicht ganz richtig aufgefaßt, wenn er Herrn Berger zur Bedingung machte, jedenfalls vor Neujahr sich nach Fischenthal zu begeben. Es wurde wohl gesagt, wo immer möglich sofort, aber es hätte sich doch noch gefragt, ob H. Berger nicht auf Ostern die Stelle angenommen hätte.

Die Bezirksschulpflege Hinweil hat ihr Gutachten betreffend Abgehen von dem früher für Oberhof bezeichneten Schulhausbauplatz abgegeben. Sie besorgt neue Verschleppung u. glaubt, es sollte höchstens dann eingetreten werden, wenn die Schulgenossenschaft bei der Erklärung, sie wolle die Bezeichnung des neuen Bauplatzes dem Erziehungsrathe anheim stellen, behaftet würde. Ich glaube doch, H. Keller meint es ernst in der Sache. Mit Ihrer Zustimmung lasse ich dieß Geschäft bis zu Ihrer Rückkehr liegen. |

Die Bezirksschulpflege Regensberg hat den Rekurs von Mettmenhasli betreffend Schulhausbauplatz beantwortet. Gemäß dem neuen Verfahren gehört die Sache, nachdem die Bezirksschlpflege alle 3 Bauplätze vom Standpunkte der Schule aus für zuläßig erklärt hat, vor den Bezirksrath. Ich lasse auch dieses Geschäft liegen. Im Winter baut man ja doch nicht.

Einige Herren Professoren haben sich gestern erkundigt, weßhalb von der Berufung des Dr Fick noch keine Anzeige gemacht worden sei an den Senat. Die [HHerren ?] sind sehr empfindlich u. schwierig. Ich habe den Beschluß des R.Rths betreffend die Berufung des Dr Fick noch nicht; aber sofort Herrn Staatsschreiber Sulzer um Beförderung geschrieben, damit die Herren zufrieden gestellt werden können.

Gestern Abends war die Vorlesung des Herrn Prof. Biedermann wieder ebenso besucht wie die frühern. H. Biedermann hielt einen formell u. materiell vollendeten, von glänzender Gelehrsamkeit zeugenden Vortrag, nur war er etwas wohl hoch gehalten. Die Damen konnten nur schwer folgen. Er sprach auch etwas schnell. Summa: Wieder höchst gelungen! H. Köchly kündigte an über Sappho u. die Verhältnisse des weibl. Geschlechts ihrer Zeit!! –

Ihr liebenswürdiger Herr Vater hat die Freundlichkeit gehabt, mich letzten Sonntag Abends in's Theater einzuladen. Da ich Herrn Prof. Biedermann, Hitzig, Helfer Fries ectr zu mir eingeladen hatte, so mußte ich die Einladung ausschlagen, habe sie aber nichts desto weniger auf das Schuldbuch gegen Sie eingetragen.

Heute großer Lärm wegen Paris! Das Drama, welches der Neffe des Onkels auf Kösten des Kaisers Niklaus eröffnet hat, macht dem Spieler alle Ehre, wird der Revolution einstweilen auf unserm Festlande die Riegel stoßen, aber im letzten Akt dem Akteur doch noch das Leben kosten. Die Herausforderung auf 2 Seiten hin ist für den kleinen Abgelebten zu kühn. Die Kammer freilich war nichts besseres werth. Sie haben diese Nachrichten schon gestern Morgens erhalten, zu uns kamen sie erst Abends spät. Es scheint die Zeit der «Prätorianer» beginnt in Frankreich. Was mag nun kommen? Wohl uns, daß wir das Jahr 47 hinter uns haben!

Damit will ich nun schließen. Wir rechnen die Lehrerbesoldungen aus, und das Gutachten über die Verhandlungen der Expertenkommission über die Schulgesetze, eine erzlangweilige Arbeit, ist nun von mir zu Ende gebracht, machen dann die 2 übrigen Mitglieder der Kommission, die mir kein Jota geholfen haben, damit, was sie für gut finden. Ich habe die Sache satt. Es war nicht so leicht, diesen Galimathias ein wenig anständig zu konzentriren. Beeilen Sie sich nicht mit einer Antwort. Ich habe Ihnen weniger aus Nothwendigkeit geschrieben, als um ein Lebenszeichen zu geben, u. Ihnen die angenehme Gewißheit zu verschaffen, daß nichts von Erheblichkeit während Ihrer Entfernung bis heute sich zugetragen, was in Ihren Geschäftskreis einschlägt. Ich wünsche Ihnen vergnügte Stunden im traulichen | Kreise Ihrer eidgenössischen Freunde.

Ihr hochschätzungsvoll ergebenster

J. J. Tobler Pfrr

Zürich, den 5ten Dec.
1851.