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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander Schweizer

AES B0931 | ZBZ Nachl. A. Schweizer XI 26

Alfred Escher an Alexander Schweizer, Zürich, Mittwoch, 1. Oktober 1851

Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat ZH, Universität Zürich

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Der Erziehungsrath hat gestern Abend nach einläßlicher Berathung Beschlüsse ganz im Sinne unserer Besprechung von vorgestern gefaßt.

Osenbrüggen wäre der Titel eines ordinarius & ein Gehalt von 800 Frkn. zu verleihen, dagegen dann die Verpflichtung aufzulegen, in mindestens 5 wöchentlichen Stunden Criminalrecht & Criminalprozeß zu lesen. Dabei würde ihm bemerkt, daß, wenn der Erfolg seiner Lehrthätigkeit, woran nicht gezweifelt werde, sich als ein ausgezeichneter bewähre, seine Besoldung nebst Übertragung des weitern Faches des Civilprozesses erheblich erhöht würde. Es wäre endlich O. zu verdeuten, daß, wenn er im nächsten Winter mehr als die ge| setzliche Zahl der Stunden lesen würde, sowie wenn er Criminalprozeß & daneben etwa noch ein Römisches Collegium (da Momsen noch nicht da sein wird) vortragen würde, dieß als erwünscht angesehen werden müßte.

Momsen würde der Titel eines ordinarius nebst einem Gehalte von 1400 Frkn. verliehen, dagegen die Verpflichtung aufzulegen sein, im Sommer Institutionen & im Winter Pandecten zu lesen. Dabei wäre ihm auch zu bemerken, daß wenn der Erfolg seiner Lehrthätigkeit den Erwartungen, die man von ihm hege, entspreche, seine Besoldung erhöht würde.

Es würde beiden zur Kenntniß zu bringen sein, daß noch das Gutachten der Facultät gemäß dem Gesetze habe eingeholt werden müssen & daß der Antrag des Erziehungsrathes von dem Regierungs| rathe definitiv erledigt werde. Dabei könnte jedoch im fernern bemerkt werden, daß diese Schritte mehr als Formalitäten anzusehen seien & daß eine sehr beförderliche definitive Erledigung in Aussicht stehe. Angemessen dürfte es dann sein, wenn O. & M. veranlaßt würden, nunmehr ihre abschließliche Erklärung abzugeben.

Dieß die Schlußnahmen des Erziehungsrathes. Diesen Morgen schon, ist die Einladung an die Facultät abgegangen, über O. mit möglichster Beförderung, über M. beförderlich ihr Gutachten abzugeben.

Auf Ihre vielfach bewährte Gefälligkeit vertrauend, möchte ich Sie nun bitten, gefälligst im Sinne der Schlußnahmen des Erziehungsrathes an O. & M. schreiben | zu wollen. Dabei stelle ich Ihnen die mir gütig überlassenen Briefe wieder zu & füge den Brief Welters an Eschenburg über O., der Sie wohl interessiren dürfte, bei. Sehr erwünscht wäre es mir, wenn Sie mir den Brief Pelt's zur Benutzung im Regierungsrathe seiner Zeit wieder übermitteln würden.

Mit freundschaftlicher Hochachtung
Ihr

Dr A Escher

Zürich
1 Oct. 1851.

In sichtbarer Eile in der Expertencommission.