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Korrespondenz: Alfred Escher – Ludwig Ettmüller
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  • von Ludwig Ettmüller, 1. Oktober 1851 Schlagwörter: Bildungswesen, Personelle Angelegenheiten, Gymnasien, Eidgenössische Universität (Projekt), Universität Zürich AES B0930
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AES B0930 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#196*

Ludwig Ettmüller an Alfred Escher, Zürich, Mittwoch, 1. Oktober 1851

Schlagwörter: Bildungswesen, Eidgenössische Universität (Projekt), Gymnasien, Personelle Angelegenheiten, Universität Zürich

Briefe

Hochgeehrtester Herr Director des Erziehungswesens!

Ein neues Vierteljahr kam und damit für mich die Zeit, Ihre Gewogenheit abermals mit der Bitte in Anspruch zu nehmen, dem Hrn. Kantonsschulverwalter gefälligst den Auftrag geben zu wollen, daß er meinen Quartalgehalt nochmals im Voraus mir auszahle.

Ihren großartigen Entwurf, die zu stiftende eidgenössische Hochschule betreffend, habe ich mit großer Theilnahme gelesen: Tandem bona causa triumphabit. Aber erlauben Sie mir wohl eine Bemerkung, oder richtiger, eine bescheidene Anfrage? Ließe sich innerhalb der philos. Facultät nicht etwas aufstellen, was den Rhetorenschulen der Griechen und Römer in zeitgemäßer Umwandlung entspräche? Praktische Übungen in der Staats- und gerichtlichen Beredsamkeit sind in der ächten Republik, wie mir scheint, unerläßlich; der Ort dazu jedoch kann nur die Hochschule sein, da den Schülern der vorhergehenden Anstalten die hiefür nothwendige geistige Reife abgeht. Sie werden als Staatsmann und Redner mir unschwer zugeben, daß eine derartige Professur, recht verwaltet, für uns bedeutsamer sein würde, als die der speculativen Philosophie – mit aller Achtung vor der Wissenschaft. Aber dieß alles wissen Sie besser als ich, und so will ich nicht weiter Eulen nach Athen tragen.

Genehmigen Sie, Herr Director, die Versicherung meiner unwandelbaren Ergebenheit.

Dr. Ludwig Ettmüller, Prof.

Zürich, d. 1. Oct. 1851.

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