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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander Schweizer

AES B0919 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#449*

Alexander Schweizer an Alfred Escher, Zürich, Samstag, 16. August 1851

Schlagwörter: Feiern und Anlässe, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Universität Zürich, Universitäten und Hochschulen (diverse)

Briefe

Hochgeachteter Herr.

So oft zu schreiben müßte ich bedenklich sein, wenn ich nicht annähme, daß die meisten Briefe in Sitzungen neben bei gelesen werden können. Darum melde ich Ihnen, daß Geib den Vorsprung vor dem Erscheinen des Lectionskataloges gewonnen, sein Entlaßungsbegehren gestern eingereicht und mir persönlich davon Anzeige gemacht hat. Obwol er über nichts sich zu beklagen wüßte, ungern uns verlasse, sei er durch Annahme all seiner Forderungen gebunden und müsse im October abreisen. Amtliche Schritte gegen ihn würden also nichts mehr nützen. Außer Momsen nennt er einen Gneist in Berlin, der als Romanist & Kriminalist nicht unbedeutend wäre, Chambon in Jena als Romanisten, Berner in Berlin als Kriminalisten, der große Hoffnungen errege. Keller würde am beßten über die Berliner Auskunft leisten, die jedoch beide seiner Gegenparthei angehören. Einen Germanisten weiß Geib nicht zu nennen, man suche einen solchen auch für Tübingen. Hitzig dagegen hörte in Heidelberg von einem Privatdocenten, der als Germanist viel Beifall finde, [Wang...f?] könnte Auskunft geben. Das Gerücht von Erxlebens Abgang habe keinen Grund. Bobrik ist hergestellt, Fritzsche dagegen nicht unbedenklich erkrankt.

Da eine Gedächtnißrede für Oken nun auch von Professoren gewünscht wird, so will ich sehen, ob etwa gegen Ende des Semesters z. B. Ludwig eine halten könne, die ein wissenschaftliches Denkmal bliebe besser als irgend eine Bestattungsrede.

Mögen Sie bald zu uns zurückkehren und überall vor den Riß treten.

Hochachtungsvoll & ergebenst

Ihr

Dr. Alex. Schweizer

Zürich 16 Aug. 1851.