Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander Schweizer

AES B0916 | ZBZ Nachl. A. Schweizer XI 26

Alfred Escher an Alexander Schweizer, Bern, Mittwoch, 13. August 1851

Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Universität Zürich, Universitäten und Hochschulen (diverse)

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Unmittelbar vor Abgang der Post & daher in großer Eile danke ich Ihnen für Ihre beiden letzten Briefe bestens.

Geib's Abgang von Zürich betrachte ich vom wissenschaftlichen Standpuncte aus als einen wirklichen Verlust. Ich glaubte, es befinde sich in dem organischen Gesetze über das Unterrichtswesen im Cte. Zürich unter der Abtheilung Hochschule eine Bestimmung, gemäß der ein Professor, um schon auf einen unmittelbar folgenden Semester die Hochschule verlassen zu können, 2 Monate vor Schluß des laufenden Semesters seine Entlassung verlangt haben müsse. Möglich daß ich mich irre. Ich glaubte aber fest an das Bestehen einer solchen Bestimmung. Wollen Sie gefälligst im Gesetze, das ich hier nicht zur Hand habe, nachsehen, & sollte es sich verhalten, | wie ich glaube & in Folge dessen H. Geib seine Entlassung auf nächsten Semester nicht mehr nehmen können, so wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie H. Reg.präs. Zehnder oder H. Pfr. Tobler auf jene Bestimmung aufmerksam machen würden.

Sehr lieb wäre es mir, wenn Sie bei Ihren Bekanntschaften an den Universitätssitzen Deutschland's sich nach Criminalisten erkundigen würden. Geib hat auch das Fach des deutschen Civilprozesses vertreten. Durchaus nothwendig ist es nicht, daß ein neu anzustellender Criminalist dieses Fach auch wieder lehre. Es könnte auch mit dem neu zu besetzenden Lehrstuhle des Römischen oder deutschen Rechtes verbunden werden. Halten Sie nun Nachfrage nach einem Criminalisten, so würde es dann in Einer Mühe gehen, wenn Sie neuerdings nach einem tüchtigen Germanisten sich zu erkundigen | die Gefälligkeit hätten.

Ich bin ganz mit Ihnen einverstanden, daß namentlich bei Geib's Abgang nun alle mögliche Aufmerksamkeit der juristischen Facultät zuzuwenden & namentlich darauf Bedacht zu nehmen ist, daß jedenfalls Eine tüchtige Kraft schon auf nächsten Semester für diese Facultät gewonnen werde. – Ich habe mich übrigens auch von hier aus fortwährend mit der Angelegenheit beschäftigt & namentlich neuerdings an Keller um Bericht über seine Unterhandlungen mit Momsen, zu denen ich ihn im Einverständnisse mit dem Erziehungsrathe ermächtigte, geschrieben. Leider aber bin ich zur Stunde noch ohne Antwort geblieben. Ich werde nun einen dritten Mahnbrief an Keller schreiben. – Und auch auf andern Wegen werde ich Erkundigungen Behufs Besetzung der vacanten Professuren einziehen. | Oken war eine schöne – Ruine. Bei aller Hochachtung, die ich für die frühere Wirksamkeit & für den Character dieses Mannes hege, kann man aufrichtiger Weise nicht sagen, daß er bei seinen Leistungen in neuerer Zeit ein Verlust für die Hochschule sei.

Doch, ich höre schon die Postillonpeitsche knallen! Also ein Lebewohl von
Ihrem hochachtungsvoll & freundschaftlich
ergebenen

Dr A Escher

Bern
13. VIII. 51

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben in der Mitte auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «Eidg. Hochschule» .