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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander Schweizer

AES B0913 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#449*

In: Jung/Wiederkehr, Escher Briefe, Band 4, Nr. 64

Alexander Schweizer an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 8. August 1851

Schlagwörter: Ausländische Einmischungen (Schweiz), Eidgenössische Universität (Projekt), Kommissionen (eidgenössische), Konflikte mit Drittstaaten, Nationalrat, Ständerat, Zollwesen

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Empfangen Sie meinen beßten Dank für die beiden Schreiben1, in welchen Sie mir über den Gang der Universitätssache Aufschluß haben geben wollen. Ich freue mich, daß es Ihnen gelungen, diesen Antrag der ganzen Commission zu belieben; er ist auch nach meinem Urtheil das Beßte und Günstigste, was sich im jetzigen Zeitpunkte denken und thun ließ. Auf die einmüthige Erklärung der nationalräthlichen Commission lege ich großen Werth und bin von diesem Resultate um so angenehmer überrascht, als ja unsre Expertencommission nur in ihrer Mehrheit für Wünschbarkeit der Universität & polytechnischen Schule stimmte. Daß die nationalräthliche Commission einmüthig in diesem Sinne sich ausspricht, übertrifft wirklich alles was ich erwartete, und gewiß ist damit mehr gewonnen, als wenn ein Theil der Commission den Nationalrath in dieser Sitzung noch zum Eintreten hätte nöthigen wollen. Ich hätte auch wenn ich Mitglied dieser Commission wäre, wieder nichts anders thun können als überaus gerne mit Ihnen zu stimmen.

Möge der Ständerath durch die Deutschen Demonstrationen, welche so plump als voreilig seinen Berathungen voreilen – ohne Zweifel um auf dieselben einzuwirken, – sich nicht irre machen lassen;2 dies ist zu wünschen nicht bloß für den vorliegenden Fall, sondern damit das Ausland überall für die Zukunft von Demonstrationen, die auf Berathungen dieser Art | einwirken sollten, nicht erwarte und sie unterlasse.

Ich danke Ihnen für die angekündigten Exemplare des Berichtes3 und bitte um Verzeihung, daß ich mich diesfalls an Sie gewandt, der weniger Zeit für Nebendinge hat als sonst Niemand in Bern; aber an Franscini4 mochte ich nicht gelangen, weil mir daran lag, daß mein Wunsch erfüllt werde.

Nochmals danke ich Ihnen für die Mittheilungen und alles was Sie in der Universitätssache gethan haben; ich weiß recht gut, wie jämmerlich es um diese Angelegenheit stände, wenn Sie nicht die wie zum Schiffbruch gemachte Commission durch die Brandung glücklich durchzukommen genöthigt hätten, wollte doch Herr Blanchet5 noch einmal in die Gefahr zurück als er schon heraus war!6

Leben Sie wohl, ich verharre in wahrer Hochachtung und freundschaftlicher Ergebenheit

Ihr

Dr. Alex. Schweizer

Zürich 8 Aug. 1851.

Kommentareinträge

1Briefe nicht ermittelt.

2Schweizer nimmt Bezug auf die im Ständerat anstehende Debatte betreffend die Revision von Zollgesetz und Zolltarif. Vgl. Kern, Repertorium I, S. 31. – Zum Zollstreit mit den süddeutschen Staaten des Zollvereins Georg Heinrich Fäsi an Alfred Escher, 8. August 1851; Institutionen, Strukturen, Prozesse, Absatz 18.

3Sachverhalt nicht ermittelt. – Gemeint sind wohl die Berichte der vom Bundesrat eingesetzten Expertenkommission, welche sich mit der Gründung einer eidgenössischen Universität und einer polytechnischen Schule befasste. Vgl. Berichte Hochschulkommission.

4 Stefano Franscini (1796–1857), Bundesrat (TI), Vorsteher des Departements des Innern. – Franscini hatte den Vorsitz der eidgenössischen Expertenkommission zur Hochschulfrage inne. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 866.

5 Rodolphe Blanchet (1807–1864), Vizepräsident des Erziehungsrates (VD) und Mitglied der eidg. Expertenkommission zur Hochschulfrage.

6Sachverhalt nicht ermittelt. – Möglicherweise bezieht sich Schweizer darauf, dass Alfred Escher den Bericht Blanchets über die Organisation des Polytechnikums von Joseph Wolfgang Deschwanden neu verfassen liess, weil er seinen Ansprüchen nicht genügte. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 868; Institutionen, Strukturen, Prozesse, Absatz 42.