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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Anton Sebastian Federer
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    1. von Josef Anton Sebastian Federer, 13. Juni 1851 Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Religion, Wahlen, Bundesrat, Klöster (Aufhebungen), Regierungsrat ZH, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Kommissionen (eidgenössische) AES B0898+
    2. an Josef Anton Sebastian Federer, 5. August 1851 Schlagwörter: Klöster (Aufhebungen), Religion, Konflikte mit Drittstaaten, Ausländische Einmischungen (Schweiz), Eidgenössische Universität (Projekt), Nationalrat, Eisenbahngesetze, Wahlen, Zollwesen, Bundesfinanzen AES B0910+
    3. an Josef Anton Sebastian Federer, 6. August 1851 Schlagwörter: Nationalrat, Eidgenössische Universität (Projekt), Zollwesen, Bundesfinanzen, Kommissionen (eidgenössische) AES B0911+
    1. von Josef Anton Sebastian Federer, 13. Juni 1854 Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eidgenössische Universität (Projekt), Universität Zürich, Nationalrat, Ständerat, Religion, Eidgenössisches Polytechnikum, Schweizerische Bundesverfassung, Vereine und Gesellschaften (allgemein) AES B1330
    2. an Josef Anton Sebastian Federer, 19. Juni 1854 Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Industrieschule (ZH), Eidgenössisches Polytechnikum, Kommissionen (eidgenössische), Nationalrat, Ständerat AES B1331+
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  • o. J.

AES B0910 | KBSG VS 25n : 5

In: Jung/Wiederkehr, Escher Briefe, Band 4, Nr. 61 | Jung, Aufbruch, S. 907–908

Alfred Escher an Josef Anton Sebastian Federer, Bern, Dienstag, 5. August 1851

Schlagwörter: Ausländische Einmischungen (Schweiz), Bundesfinanzen, Eidgenössische Universität (Projekt), Eisenbahngesetze, Klöster (Aufhebungen), Konflikte mit Drittstaaten, Nationalrat, Religion, Wahlen, Zollwesen

Briefe

Hochverehrter Herr!

Ihren letzten verehrl. Brief bestens verdankend, ertheile ich Ihnen vorerst Aus kunft mit Beziehung auf Rheinau. Schon sehr lange ist im Ctn. Zürich davon die Rede, dieses Kloster aufzuheben & wohl wäre es schon längst aufgehoben worden, wenn nicht beinahe die Hälfte seiner Güter im Großherzogthum Baden läge & dieser Staat das Epavenrecht1 geltend machen würde. Vielleicht wird man trotz dieses ungün stigen Umstandes das Kloster säcularisiren & da wir durch Mehrausgaben (für Lehrerbesol dung namentlich) & Mindereinnahmen (wegen Herabsetzung des Salzpreises usf.) veranlaßt sind, unsere finanziellen Zustände zu revidiren, so dürfte vielleicht als Ergebniß dieser Revision auch die Säcularisirung von Rheinau vorgenom men werden. Diese Säcularisirung ist aber mit Hinsicht auf allfällige Leistungen Zürichs an die | Eidgenössische Hochschule noch nie zur Sprache gebracht worden.

Wenn Sie in Ihrem verehrl. Schreiben von einer Opposition gegen die Hochschule sprechen, «die, was sie nicht offen heraussagen will, hinter dem allmächtigen Finanzpunct versteckt», so findet dieses leider vor allem auf ein St. Gallisches Mitglied des Nationalrathes2 Anwendung, das sich in dieser Angelegenheit in den Vordergrund gestellt hat.

Es wird die Universitätsfrage im Laufe die ser Session nicht mehr zur Erledigung gebracht werden können. Die Mehrheit des Nationalrathes ist zwar der Universität günstig. Es zeigt sich dieß am besten daran, daß der 9gliedrige Ausschuß3 , welchen der Nationalrath in geheimem Scrutinium gewählt hat, 7 Freunde der Hochschule in ihrer Mitte zählt. Aber eine ebenso große Mehrheit des Nationalrathes ist für Verschiebung der Hochschul frage auf eine künftige Session. Fürs erste ist nämlich die Bundesversammlung in der 5ten Wo che versammelt: eine Reihe von Tractanden, die von dem gegenwärtigen Nationalrathe | vor seiner Auflösung erledigt werden müssen, sind noch nicht zu Ende geführt: & die meisten Mitglieder wünschen recht bald nach Hause zurück zukehren. – Manche Mitglieder haben sodann Prä occupationen mit Beziehung auf die Eisenbahn frage: sie haben eine Scheu davor, große Aus gaben für den Bund zu decretiren, bevor über die Betheiligung des letztern bei der Eisenbahn angelegenheit entschieden ist. – Noch andere Mit glieder endlich fürchten sich davor, unmittel bar vor den Nationalrathswahlen sehr tief in die Finanzen eingreifende Schöpfungen zu be schließen. – Unter so bewandten Umständen noch die Behandlung des Gesetzesentwurfes betref fend die Universität erzwingen zu wollen, hieße eine Niederlage bei einem Vorpostengefechte suchen & dadurch die ganze Hochschulfrage comprommit tiren. Es wird daher am angemessensten sein, darauf hinzuwirken, daß die Commission 1) in ihrem Berichte an den Nationalrath dem letztern eröffne, daß sie in ihrer entschiedenen Mehrheit die Schöpfung einer Eidgenössischen Hochschule wünsche 2) die Verschiebung der Hochschulfrage auf die nächste | Session beantrage. – Die Hauptsache ist, daß der Zoll tarif4 , wie er nun von dem Nationalrathe be schlossen worden, die für die Hochschule erforderli chen Fonds darbietet. Wenn der Tarif nur auch im Ständerathe in seinen wesentlichen Bestandtheilen angenommen wird! – Vielleicht interessirt Sie der Bericht der nationalräthli chen Commission in der Zollfrage5 . Ich beehre mich daher, Ihnen ein Exemplar desselben beizulegen.

Empfangen Sie die erneuerte Versicherung meiner freundschaftlichen Hochachtung.

Ihr ergebenster

Dr A Escher

Bern
5. VIII. 51 .

Kommentareinträge

1Epavenrecht: Heimfallsrecht. – 1836 hatte der Kanton Zürich das Kloster Rheinau dem Finanzrat unterstellt, die Aufnahme von Novizen und Geistlichen aus anderen Klöstern untersagt und Beiträge an die Volksschule und die katholische Pfarrstelle in Zürich eingefordert. Im Hinblick auf eine allfällige Aufhebung des Klosters berief sich das Grossherzogtum Baden auf das Epavenrecht und belegte die auf seinem Gebiet gelegenen Güter des Klosters mit Beschlag. Vgl. Baier, Epavenrecht, S. 510; Inauen, Brennpunkt Schweiz, S. 214.

2Vermutlich Johann Matthias Hungerbühler (1805–1884), Grossrat, Regierungsrat und Nationalrat (SG) sowie Mitglied der nationalrätlichen Hochschulkommission.

3In die nationalrätliche Hochschulkommission wurden gewählt: Johann Matthias Hungerbühler, Vorsitzender (SG), Alfred Escher (ZH), Jean-Jacques Castoldi (GE), Louis Blanchenay (VD), Jakob Stämpfli (BE), Johann Jakob Trog (SO), Jakob Robert Steiger (LU), Giovanni Battista Pioda (TI) und Johann Konrad Kern (TG). Vgl. Nationalrat, Verhandlungsprotokolle, 1848–1852 (BAR E 1301), 1. August 1851, S. 140–141.

4Nach Bereinigung der Differenzen wurde der Zolltarif zusammen mit dem Bundesgesetz über das Zollwesen am 27. August 1851 von National- und Ständerat verabschiedet. Vgl. Kern, Repertorium I, S. 31; Zolltarif (vom 27. August 1851), in: AS II, S. 555–576.

5 Vgl. Bericht der zur Prüfung des Gesezentwurfes über das Zollwesen vom Nationalrathe niedergesezten Kommission (vom 11. Juli 1851), in: BBl 1851 III, S. 41–84. – Beilage nicht überliefert.