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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Huggenberg

AES B0891 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#280*

Johann Jakob Huggenberg an Alfred Escher, Winterthur, Montag, 26. Mai 1851

Schlagwörter: Bildungswesen, Familiäres und Persönliches, Krankheiten, Kuraufenthalte, Rechtliches, Reisen und Ausflüge, Wahlen

Briefe

Mein Hochgeachteter Herr u. Freund!

Es kann die Einladung der hies. Waisenc. zu Eingabe eines Vogtberichts über Herrn Emil Weiß wirklich keinen andern Sinn haben, als daß Sie kurz berichten: wo derselbe sich gegenwärtig aufhalte, welchem Fache er sich widme u. wie seine Aufführung sey. Sie können also die Sache mit wenigen Linien abthun. Das Gesez fordert, auch wenn der Bevormundete noch kein Vermögen besizt, alle 2 Jahre einen solchen Bericht. Von den Vermögensverhältnißen der Frau Weiß ist dabey in keiner Weise zu erwähnen.

Wenn ich Sie auf der einen Seite der auch gar zu sehr überladenen Geschäfte wegen höchlich bedaure u. Ihnen dabey von ganzem Herzen beste Gesundheit wünsche, so freut es mich anderseits der Sachen selbst wegen, daß Sie Ihr gewichtiges Wort in die Wagschale zu legen berufen sind. Beyde obschwebenden Fragen sind, wie Sie sagen, für unsern Canton von der höchsten Bedeutung. Könnten Sie sich nicht in cantonaler Beziehung etwas erleichtern? Andere geniren sich auch nicht, sich vertreten zu laßen. Freylich weiß ich wohl, dieß hat sein Un angenehmes; aber zu viel, ist zu viel! –|

Höchlich bedauern wir, meine l. Gattin u. ich, das fortwährende Krankenlager Ihrer Hochverehrten Frau Mutter. Möge die ein getretene Beßerung nicht nur scheinbar sondern von Dauer seyn, dieß wünschen wir von Herzen. – Erfreulicher lautet Ihre gefällige Mittheilung über unsern all verehrten Herrn Prof. Heer. Möge dieser wakere Mann dem Vaterlande noch lange erhalten bleiben.

Herr Bundesrath Furrer befindet sich seit Donnerstag hier; er ist zwar noch nicht ganz hergestellt, doch befindet er sich beßer. Immerhin muß er sich noch Sorge tragen. Heute fand zu seinen Ehren Revue der hies. Cadetten statt. Er freut sich immer sehr über das was die Jugend Rechtes producirt. Er wird Morgen von hier verreisen.

Die Gemeindswahlen im hies. Bezirk haben nicht gar große Veränderungen hervorgerufen. Freylich fehlt noch Winterthur, das auch nicht gewählt hat. Da wo Verän derungen eintraten, wurden meistens jüngere Kräfte hervorgezogen, was im Ganzen Recht ist, namentlich da, wo es nicht besonders verlezt.

Die besten Empfehlungen u Wünsche für Sie von meiner l. Frau u. meinen Knaben, deren Sie gefällig gedenken, – besonders aber von Ihrem mit unveränderlicher Hochachtung u. Freundschaft ergebenen

Huggenberger.

Winterthur 26 Mai 1851.

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