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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0879 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 19. April 1851

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Bundesjubiläum ZH (1851), Eidgenössische Universität (Projekt), Eisenbahngesetze, Feiern und Anlässe, Freundschaften, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kommissionen (eidgenössische), Krankheiten, Parteienstreitigkeiten, Rechtliches, Reisen und Ausflüge

Briefe

Glarus den 19. April 1851.

Mein theurer Freund!

Ich denke, Du werdest nun wohl aus der Eisenbahnkommission nach Hause zurückgekehrt seyn, u. darum will ich nicht länger anstehen, Deinen l. Brief vom 2. d. M. zu beantworten. Deine freundschaftliche Einladung, über das Maifest bei Dir in Belvoir einzukehren, will ich gerne annehmen, u. wünsche nur, daß Deine gute Mutter, die nach Deinen Berichten in der letzten Zeit wieder sehr an gegriffen war, sich bis dahin so weit erholen möge, dass die vielen Gäste, die Ihr bekommt, nicht störend auf ihre Gesundheit einwirken. Ich werde Dienstag den 29. Nachmittags in Zürich eintreffen, u. Zwicki trägt mir auf Dir zu melden, daß er mich begleiten werde. Mein Entschluß, das Fest zu besuchen, war wirklich schon längst gefaßt; bloß über den Tag meiner Abreise war ich früher noch nicht im Reinen. Ich läugne nicht, daß es mir wehe thut, ein Fest von so schöner, ächt vaterländischer Bedeutung durch den Trotz u. die Ränke einer Parthei, welche sich mit der Gegenwart nicht aussöhnen kann, auf mannigfache Weise ge trübt zu sehen, aber ich hoffe gleich wohl, dasselbe werde in der Hauptsache noch ge lingen,u. für mich bietet es jedenfalls den Anlaß zu einem angenehmen Ausfluge dar.

Sehr leid thut es mir aus Deinem Briefe zu erfahren, daß auch Du Dich an Deiner Gesundheit angegriffen fühlst. Ich begreife gar wohl, daß Du zu wenig Erholung von Deinen vielen Geschäften hast; Du solltest Dich einmal für einige Zeit ganz frei machen können! |

Euer letzte Gr. Rath hat mir viele Freude gemacht, namentlich durch die Einführung der Schwurgerichte u. die Wahlen in's Obergericht. Der erstern Frage wiedme ich fort während meine volle Aufmerksamkeit, da ich die Nothwendigkeit einer Reform der Strafrechts pflege auch für unsern Kanton nur zu wohl einsehe. Wenn ich mich bis dahin in der « Glarn. Ztg.» noch nicht näher ausgesprochen, so geschah dies theils wegen Mangel an Raum, theils weil die Frage unserm Volke noch zu fern liegt u. man sie noch etwas näher rücken lassen muß.

In der Eisenbahnkommission werdet Ihr nun wahrscheinlich recht gründliche Untersuchungen behufs Dilation der Sache bis nach den Wahlen angeordnet haben. Ich begreife, daß man nicht gerne in diesen sauern Apfel beißt; auch ist es möglich, daß durch neue Prüfung noch mehr Licht über eine Frage verbreitet wird, die mir selbst nicht ganz Spruchreif vorkömmt; aber so lange dieselbe nicht entschieden ist, lastet sie, wie mir scheint, wie ein Alp auf uns, der uns namentlich nicht verstattet, andere großartige Schöpfungen vorzunehmen. Du weißst, daß ich zu den entschiedensten Anhängern einer eidgen. Hochschule gehöre, u. gewiß kann Niemand mehr als ich die baldige Gründung derselben wünschen, aber ich sehe in der That nicht ein, wie die Bundesbehörden hiefür der Eidgenossenschaft finanzielle Opfer aufladen dürften, so lange solche auch noch für die Eisenbahnen in Aussicht stehen.

Anderes, wozu mir Dein letzter Brief oder die Vorgänge der letzten Wochen Anlaß bieten könnten, verspare ich auf die nahe bevorstehende mündliche Besprechung. Inzwischen sey, nebst meinen besten Empfehlungen an Deine Eltern.

herzlich gegrüßt von

Deinem treuen

J J Blumer-Heer.