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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Friedrich Peyer im Hof

AES B0826 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#391*

Johann Friedrich Peyer im Hof an Alfred Escher, Schaffhausen, Samstag, 7. September 1850

Schlagwörter: Eisenbahngesetze, Rechtliches, Reisen und Ausflüge, Universität Zürich, Zollwesen

Briefe

Mein Lieber!

Deine Grüße sind mir s. Z. geworden. – Ihr hättet fröhliche Stunden mit einander zugebracht, sagte mir der Ueberbringer, aber auch im gemüthlichen Appenzellerländchen hätten dich die Amtssorgen verfolgt und nach kurzem Aufenthalt wieder zurückgerufen.

Unser Cause celèbre der Prozeß Grieshaber ist wieder in ein neues Stadium getreten, indem unser Obergericht beschloßen hat, die Akten der jur. Fakultät in Zürich zu übergeben, um von derselben ein Gutachten zu erhalten. Ich bin nun vollkommen überzeugt, daß der schuftige Kerl kein Mittel unversucht laßen wird, um auf den oder diejenigen, welche mit der Abfaßung desselben betraut werden, einzuwirken. Es ist ihm schon hie und da gelungen, sich als Märtyrer einer freiheitfeindlichen Fraktion darzustellen, während es sich um weiter Nichts handelt, als einen abgefeimten Spitzbuben zu entlarven, was bei der | außerordentlichen Verwickelung der Angelegenheit nachgerade schwer geworden ist. Ich habe allen Grund anzunehmen, daß Grieshaber nächste Woche nach Zürich gehen und seine Mannöver auszuführen versuchen wird. – Solltest du nun etwa Gelegenheit haben, solchen Einwirkungsversuchen bei den betreffenden dir bekannten Professoren zu begegnen, so bitte ich dich dieselben niederzuschlagen; Ich bin nich Jurist, aber unbetheiligte Fachmänner haben mich schon wiederholt versichert, daß die Schuld, von der Jedermann überzeugt ist, sich auch aus den Akten vollständig herausstelle und ich schäme mich, daß unser Obergericht nicht den Muth hat von sich aus zu entscheiden, sondern erst noch in einem Rechtsgutachten eine Stütze suchen muß.

Mit der Ueberfahrtsangelegenheit habe ich meinen gnädigen Herrn und Obern wieder viel böses Blut gemacht; ich habe sie vorher interpellirt und damit die Ansicht ausgesprochen, daß die beabsichtigten Taxen nicht zuläßig wären, allein das hat Nichts geholfen, man zog es vor tüchtig geschulmeistert zu werden, und daran hat es dann auch nicht gefehlt. –|

Empfehle mich den verehrten Deinigen, grüße mir Dubs und behalte in gutem Andenken.

Deinen

Peyer im Hof

Schaffhausen den 7 Sept 1850.

Ueber die finanzielle Seite der Eisenbahnfrage habe ich in neuester Zeit mit Speiser diskutirt, wir sind aber noch zu keinem Abschluß gekommen.

Kontexte