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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0805 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#452*

Heinrich Schweizer an Alfred Escher, Rüti (ZH), Montag, 17. Juni 1850

Schlagwörter: Bildungswesen, Erziehungsrat ZH, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Wahlen

Briefe

Mein Lieber!

Herzlichen Dank für Deine freundl. Mittheilg über unsre Lehrerangelegenheit. Nachdem seit 8 Tagen d. Sage sich verbreitet hatte, die 2–3 Führer der Recurrenten haben auf bestimmten Rath von Herrn Proc. Sulzberger den Recurs nicht weiter ergreifen und sehr viele selbst v. d. Minder heit dessen sich freuten, so kam der Bericht über d. wirklich noch ergriffenen Recurs uns sehr unerwar tet u. überraschend! Innigen Dank für Deine erneuerten Bemühungen! Gewiß nur einer guten Sache hast Du bisher aus- u. durchgeholfen. Ohne das würde u. müßte ich mich schämen, Dich nur mit e. Worte belästigt zu haben. Seit unsrer mündl. Besprechung hat sich noch Vieles ereignet, das die unlautere Absicht nur weniger leidenschaftlicher, maliziöser Köpfe noch klarer beurkundet. Allein ich trete nicht weiter ein, zuversichtlich hoffend, die Sache werde nun bald – im Sinne der erziehgsräthlichen Antragsstellg – ihre bleibende Erledigung finden u. dann die Verhältnisse in d. Schulgemeinde bald wieder friedlicher sich gestalten. Nochmals dankend f. Deine erfolgreiche Hülfe empfehle ich Dir diese Angeleght bestens bis zur definitiven Erledigung!

Deine kurze Äußerung über d. Schuldenschreiberangelegenheit unterschreibe ich ganz u. unbedingt. Wiederholt habe ich mit dem v. Dir genannten Herren Bzksrichter gesprochen zu Gunsten f. den bisherigen Schuldenschreiber. Allein derselbe hatte gebundene Hände, wie im Grunde Alle, die in unserm schroff getrennten Bezirke irgend e. Stimme abzugeben haben. Ich habe über diese Zeit Gelegenheit gehabt, nolens volens Blicke zu thun in d. Wahlintriguen, welche seit Jahren bei allen Bezirkswahlen Statt gefunden. Da gilt es in vollem Maße: peccatur intra et extra! – Mündlich Näheres, u. vielleicht Schriftliches! Aber so viel hier nur mit Rücksicht auf d. Vorgeschlagen: die 2 Ersten würden verdienen, unberücksichtigt zu bleiben; u. vom Dritten weiß ich nicht, ob ich mich über s. Ernennung freuen u. sie ihm gönnen, oder ihn bedauern u. für ihn fürchten soll! Sein bisheriger ehrenhafter Charakter ist auf e. schwere Probe gestellt.

Mit herzlichem Gruße u. treuer Liebe

Dein

H. S.

R. 17. VI. 50.

P. S. Der Dir v. früher bekannte Präsdt v. Tobel, Ersatzm. d. Bezirksathes, hat sich in d. Schuldenschreiber-Angeleght nach meinem Wissen wacker und ehrenvoll erwiesen. Ihm war die 3: Stelle im Vorschlage wie angetragen: er schlug aus in d. Hoffnung, Hrn. Hotz diese Stelle zu retten!

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