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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0795 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#452*

Heinrich Schweizer an Alfred Escher, Rüti (ZH), Freitag, 24. Mai 1850

Schlagwörter: Bildungswesen, Erziehungsrat ZH, Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Regierungsrat ZH, Wahlen

Briefe

Mein herzlich Lieber!

Dachte ich es doch, es werde unsre Lehrerangelegenheit im Schooße des h. ErzR. nicht so leicht die erwünschte Erledigung finden! Ich besorgte die Voten u. Stimmen der Herren ErzRäthe vom See, mit denen von Seite der Majorität niemand persönlich Rücksprache genommen, während die rührigen Führer der Minorität das wiederholt gethan haben sollen u. derart gestützt unter d. Hand ihre Hoffnungen laut werden ließen. Ohne das wäre vielleicht von Seite der Majorität kein Schritt irgendwo u. irgendwie gethan worden! – Herzlich dankbar bin ich nun Dir für Deine kräftige Verwendung und Ausdauer in d. Sitzung, da ich nun überzeugt bin, daß ohne Dich der Entscheid ein sehr problematischer geworden wäre. Du hast damit unserm Schulwesen einen sehr großen Dienst geleistet, u. alle Vorsteher der hies. Civil- u. Schulgemeinde werden Dir dafür Dank wissen, mit Ausnahme vielleicht des einzigen Herrn Friedensrichter u. nunmehrigen Cantonsrath Pfister, der zwar in der Wahl für Baumberger gestimmt hat, aber seither mit seinen Räthen den Recurrenten beigestanden. – Ohne Zweifel wird nun der Recurs noch an den h. RegRath ergriffen werden, besonders wenn das Stimmenverhältniß von 5 gegen 4 bekannt wird. Sehr möchte ich wünschen, daß wir nicht in d. Fall kommen möchten, Dich als Präsidenten des neuen RegRathes, als welchen ich Dich zum voraus herzlich begrüße u. beglückwünsche, so in Anspruch nehmen zu müssen, wie ich Dich in Deiner bürgermeisterlich-erziehungsräthlichen Würde in Anspruch zu nehmen mich moralisch gedrungen sah. Hoffen wir nun das Beste für unsre Schule, die durch die Wahlkämpfe schwere Wunden erhalten hat! Die Freude der einsichtigern Schulfreunde über den Entscheid des ErzR. ist allgemein, u. selbst die Schulkinder, denen das Ergebniß bald kund geworden, athmen freier u. fröhlicher, da sie nun als ausgemacht annehmen, Hr. Bbrgr bleibe ihr Lehrer!

Mit größtem Interesse sehe ich den Wahlen von gestern u. heute entgegen! Möge durch das Ergebniß das Wohl unsers Cantons wesentlich gefördert u. gehoben werden.

In treuer Liebe u. Anhänglichkeit u. nochmals aufrichtig dankend für Deine Ausdauer u. Verwendung

Dein Dir herzlich ergebener

Pfr. H. Schweizer in Rüti.

R. Freitag Abds 24. V. 50.

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