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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0793 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 18. Mai 1850

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kommissionen (eidgenössische), Landsgemeinde GL, Nationalrat, Nationalratspräsident, Rechtliches, Regierungsrat ZH, Ständerat, Verfassung ZH, Wahlen

Briefe

Glarus den 18. Mai 1850.

Mein theurer Freund!

Beiliegend erhälst Du die 4te Lieferungs meiner «Staats- u. Rechtsgeschichte», mit welcher der erste Theil derselben beendigt ist. Da ich das Manuskript zu dieser Schlußlieferung großentheils schon während der vorletzten (November- u. Dezember-) Sitzung der Bundesversammlung, als der Ständerath sehr wenig zu thun hatte, angefertigt habe, so ist das verspätete Erscheinen derselben lediglich der Saumseligkeit der Druckerei zuzuschreiben. Es freut mich übrigens zu vernehmen, daß mein Buch ziemlichen Absatz gefunden hat; ich mache mich daher nun auch ernstlich an die Fortsetzung desselben, zu welcher freilich noch eine Menge von Vorarbeiten nöthig sind.

Empfange meinen besten Dank für die herzliche Theilnahme, welche Du u. Deine verehrten Eltern dem herben Verluste schenken, der meine l. Frau u. mich betroffen hat. Mögest Du recht lange von ähnlichen schmerzlichen Erlebnissen verschont bleiben! – Daß Dich beim Schlusse der langen Session, während deren Du den Nationalrath präsidirtest, ein eigenthümliches Gefühl ergriffen hat, begreife ich gar wohl. Du hast während jenes Zeitraumes von mehr als einem | Jahre in einem noch jugendlichen Alter nicht nur viel Merkwürdiges erlebt, sondern wirklich Großes geleistet u. eine sehr wichtige u. einflußreiche Stellung in den eidgenössischen Dingen eingenommen. Du wirst diese behalten, auch wenn Dein Platz im Nationalrathe ein andrer seyn wird. – Daß Du nun lieber bis zum 1. Juli in Zürich bleiben möchtest, begreife ich ebenfalls, namentlich weil es sich nach der bald erfolgenden Einsitzung des neuen Regierungsrathes darum handeln wird, das Direktorialsystem in's Leben einzuführen. Zu diesem Behufe wäre es freilich besser, wenn die tüchtigern Kräfte der Regierung sich einmal ganz den Kantonalgeschäften wirdmen könnten. In diesem Augenblicke werden Euch wohl die Wahlen der indirekten Großrathsmitglieder u. diejenigen für die neue Regierung Stoff zu Besprechungen geben. Unangenehm wäre es für Dich namentlich, wenn die nationalräthliche Kommission nicht unmittelbar vor der Bundesversammlung, sondern in der Zwischenzeit zusammentreten würde. Das Bundesgericht wird sich in den letzten Tagen vor dem 1. Juli versammeln, so daß ich mir wenig daraus mache, zumal die nächste Sitzung der Bundesversammlung vorauissichtlich kurz seyn wird. – An unsrer nächstens bevorstehenden Landsgemeinde, welche den 26. d. M. stattfinden wird, falle ich als Ständerath in Erneuerung. Sollte ich wieder gewählt werden, so werde ich wohl auch wieder annhemen. Ich hatte früher einiges Bedenken, namentlich wegen meiner Frau, die ich nicht gerne so oft allein lasse; aber sie muntert mich selbst dazu auf, mich nicht zurückzuziehen.|

Empfehle mich bestens Deinen verehrten Eltern u. sey herzlich gegrüßt von Deinem treuen

J J Blumer.