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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0791 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 11. Mai 1850

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Krankheiten

Briefe

Glarus den 11. Mai 1850.

Mein theurer Freund!

Die innige Theilnahme, welche Du von jeher u. so auch wieder in den letzten Tagen meinen Familienverhältnissen geschenkt hast, machen es mir zur Pflicht, Dir zu melden, daß sich die traurige Erwartung, welche ich in Folge der von meiner l. Frau erhaltnen schlimmen Nachrichten schon in Bern hegen mußte, nur zu bald bestätigt hat. Konnte ich auch im heitern Kreise befreundeter Kollegen die mir bevorstehenden schmerzlichen Eindrücke auf Augenblicke vergessen, so mußte ich doch, namentlich seitdem ich von Richterschwyl an allein reiste, immer mehr an das nun eingetretne Ereigniß denken, welches mir bereits mit ziemlicher Gewißheit vor der Seele schwebte. Ich wurde daher bei meiner Ankunft nicht sehr überrascht durch die Trauerkunde, daß meine Schwiegermutter bereits vorgestern (den 9.) verstorben sey. Ein organisches Uebel, das in seinem Verlaufe immer unheilbarer wurde, war die Ursache ihrer langen u. schmerzlichen Leiden u. nun ihres frühen Todes; die Verewigte zählte nämlich nicht mehr als 53 Jahre. Du kannst Dir den Schmerz meiner tief gebeugten Frau, die mit innigster Liebe an ihrer Mutter hing, u. ihrer Geschwister denken; auch mich hat die Hingeschiedne immer nur zu Liebe u. Dank verpflichtet, u. daher beklage auch ich innig das unerbittliche Schicksal, welches sie uns | entrißen hat. Dr. Streif soll die Krankheit von Anfang an ganz richtig aufgefaßt,u. schon seit langem wenig Hoffnung mehr geäußert haben; bei der Beschaffenheit des Uebels wäre wohl an eine Heilung nicht mehr zu denken gewesen.

Indem ich von Herzen hoffe, dass Du Deine verehrten Eltern recht wohl angetroffen habest, u. mich ihnen bestens zu empfehlen bitte, grüßt Dich

Dein treuer

J J Blumer-Heer.