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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Müller

AES B0788 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#363*

Johann Jakob Müller an Alfred Escher, Winterthur, Montag, 6. Mai 1850

Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kommissionen (eidgenössische), Nationalrat, Personelle Angelegenheiten, Sonderbundskriegsschuld, Wahlen

Briefe

Winterthur den 6. Mai 1850.

MHochgeachteter Herr &. Freund!

Soeben erhalte ich die Anzeige von der Bundeskanzlei, daß ich vom Bureau des Nationalrathes zum Mitgliede derjenigen Kommission gewählt worden sei, welche die Rechnung über den Sonderbundsfeldzug zu prüfen hat. Diese Nachricht, ich gestehe es Ihnen offen, ist mir ein wahrer Schrecken. Ich kann mir den Umfang dieser Rechnung &. der Belege denken und ich bin überzeugt, daß eine Prüfung derselben jedem Commissionsmitglied mehrere Wochen Zeit wegnimmt. Auch bin ich der bestimmten Ansicht, daß die Prüfung nicht während der nächsten Nationalrathssitzung statt finden kann, sondern daß man sich dafür speziell nach der Bundesstadt begeben muß. – Wie soll ich nur die benöthigte Zeit finden? Sie kennen meine amtliche Stellung &. die damit verbundene Geschäftslast &. Sie wissen nur zu gut, daß es mir beinahe nicht möglich ist, so viel Zeit zu erübrigen, um den Nationalrathssitzungen beiwohnen zu können. Dazu kommt dann noch der Große Rath, welcher, wie ich glaube, in nächster Zeit bedeutend mehr leisten muß, als dieses bisher der Fall war. – Ich bitte Sie daher um Gottes Willen, sorgen Sie dafür, dass für mich ein anderes Commissions-| Mitglied gewählt wird. Will man einen Zürcher haben, so hätten z. B. [d Hhr ?] Siedler &. Stadtmann weit eher Zeit als ich. Auch dürfte dem Hrn. Homberger einmal eine derartige Aufgabe wohl zugemuthet werden. Sie wissen, dass ich schon mit dem Plane umgegangen bin, meine Stelle als Mitglied des Nationalrathes niederzulegen, weil sich dieselbe mit meinem Amte fast gar nicht verträgt. Diesen Plan werde &. müßte ich ausführen, sollte meiner dringenden Bitte nicht entsprochen werden. Ich lasse mir gerne Vieles, ja Alles gefallen &. scheue gewiß vor keiner Arbeit zurück; aber jetzt bin ich in einer Lage, daß, will ich den Bezirk &. namentlich das Strassenwesen nicht vernachläßigen &. meinen Einfluß nicht einbüßen, ich unmöglich mehr Absentzen machen darf &. kann, als die größte Nothwendigkeit es gebietet. Sie können &. werden mir helfen &. ich sehe daher getrost einem entsprechenden Entscheide entgegen.

Meine Berichte über die Wahlen werden Sie hoffentlich erhalten haben. – Aus dem Bezirke Pfäffikon sind die Nachrichten besser als ich sie erwartete.

Empfangen Sie die Versicherung meiner hochachtungsvollen &. freundschaftlichen Ergebenheit.

J J. Müller