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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0740 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Donnerstag, 2. Januar 1851

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Freiburger Konflikte (1848 ff.), Konflikte mit Drittstaaten, Liberale Presse, Nationalrat, Parteienstreitigkeiten, Presse (allgemein), Rechtliches, Wahlen

Briefe

Glarus den 2. Januar 185 1.

Mein theurer Freund!

Du hast Dich über meinen Entschluß, die Redaktion der Glarner-Zeitung zu übernehmen, in so anerkennendem Sinne ausgesprochen, daß ich Dir wohl die erste Nummer, welche mein Programm enthält, zusenden darf. Ich mache nicht auf Abonnenten Jagd, aber freuen würde es mich, wenn mein Blatt von meinen Freunden in Zürich gelesen würde. Die zwei folgenden Nummern werden «Rückblicke auf die letzte Sitzung der Bundesversammlung» enthalten. Kollege Stämpfli ist mir mit ähnlichen Artikeln vorausgegangen, u. es war ganz recht, daß er, gegenüber einer perfiden Bemerkung des «Oberländer Anzeiger's», die Finanzlage der Eidgenossenschaft beleuchtet hat; ich meinerseits werde ihm auf dieses Gebiet nicht nachfolgen, sondern mich auf die politischen Fragen u. die erlaßnen Gesetze beschränken. Im Allgemeinen kömmt mir die Zeitungsschreiberei etwas ungewohnt vor, besonders weil ich bei meinem Blatte auf ein sehr gemischtes Publikum Rücksicht zu nehmen habe u. daher Witze u. Anekdoten in den Nachrichten nicht ganz weglassen darf.

Von hier kann ich Dir sonst nichts Neues melden. Glücklicher Weise habe ich diesmal die Meinigen alle wohl angetroffen. Wann ich einmal nach Zürich kommen werde, kann ich nicht wohl voraussagen; vor dem Frühling wird es sicherlich geschehen. Jedenfalls hoffe ich von ganzem Herzen, nicht vor Juli, resp. Juni wieder nach Bern reisen zu müssen. | Wenn uns das Ausland in Ruhe läßt, so werden auch unsre Ultramontanen u. Konservativen nicht viel anfangen, trotz aller Wuth, die sie gegenwärtig wieder des Freiburger Beschlusses wegen loslassen. Dagegen dürfte bei den Nationalrathswahlen ein heftiger Kampf durch die ganze Schweiz entbrennen.

Seit unsrer Abreise von Bern sind noch so wenige Tage vergangen, daß Du wohl für diesmal die Kürze meines Briefes entschuldigen wirst. Freuen wird es mich, auch von Dir wieder Nachrichten zu erhalten: empfehle mich bestens Deinen verehrten Eltern u. sey herzlich gegrüßt von

Deinem

J J Blumer.

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Datierung gemäss Briefkontext.