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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B0737 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, s.l., [ 1850 ]

Schlagwörter: Freundschaften, Gemischte Ehen (Bundesgesetz), Reisen und Ausflüge

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein bester Escher!

Wie sehr angenehm mich Dein Brief überraschte, habe ich wohl nicht nöthig, Dir zu sagen. Durch diese freundschaftliche Aufmerksamkeit u. die Art derselben hast Du alle meine Erwartungen, die ich haben durfte, weit übertroffen. Meiner «eigenthümlichen Stellung» zwischen meinem neuen Vaterlande u. meiner Familie legst Du wohl etwas zu viel Bedeutung bei. So sehr wie ich mich auch für die letzteren interessiren mag, so wird dies doch ohne jeden Einfluß auf meine Anhänglichkeit für die Schweiz bleiben, der ich nun ein mal durch langjährigen Aufenthalt, meine ganze Entwickelung u. die engsten Banden, welche Freundschaft u. Dankbarkeit ziehen können, angehören muß. Was meine Stellung zu Dir u. Deiner Familie betrifft, so fühlte ich mich schon wiederholt verpflichtet, meine dankende Anerkennung Dir gegenüber aussprechen u. jede Woche, jedes Zusammensein, jede Berührung mit Dir u. den Deinigen legt mir diese so angenehme Verpflichtung in einen erhöhten Maße auf. Du wirst deshalb fühlen, wie werthvoll für mich in | Deinem letzten Briefe die Zusicherungen des Wohlwollens von Deiner u. Deiner Eltern Seite sein mußten.

Mein Tagebuch, seit meiner Entfernung von Zürich ist ohne alles Interesse, deshalb will ich dich damit nicht langweilen. Ueber die Schweiz herrschen selbst bei gebildeten Männern die merkwürdigsten Vorstellungen u. Ansichten. Von den Berner Ereignissen hofft man für die Reaction das Unmögliche z. B. das [Anerbieten?] Neuenburgs u. ähnlichen Unsinn. Es verleidet mir ordentlich, über unsre Zustände mit jemand zu sprechen, denn man sollte jedesmal einen kleinen historischen u. staatsrechtlichen Excurs voranschicken. Heute über 3 Wochen werde ich wieder in Zürich sein. Ich muß jedesmal so viel herumreisen, daß die ursprünglich bestimmten 4 Wochen nicht ausreichen wollen.

Deinen Ruhm in Sachen der heirathslustigen Damen habe ich in mehrern Zeitungen gelesen. Man sollte glauben, daß Du persönliche Motive im Hintergrunde hättest. Wie sehr | bedaure ich Deine specielle [Petentin?], daß die Frage in welcher sie Dich haupts bestimmt hat, für sie eine indifferente geworden ist, willst Du wirklich dankbar sein, so verschaffe ihr einen katholischen Hochzeiter.

Sonst ––– nichts von Bedeutung.

Unter den besten Empfehlungen an Deine Eltern u. Grüssen an Bekannte, wie immer Dein

[treuster?]

[?] Gustav

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Datierung gemäss Archivnotiz.

Kontexte

  • [ 1850 ]