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Korrespondenz: Alfred Escher – Eduard Sulzer

AES B0729 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#488*

Eduard Sulzer an Alfred Escher, s.l., Samstag, 15. Dezember 1849

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahngesetze, Flüchtlingspolitik, Postwesen, Regierungsrat ZH, Zollwesen

Briefe

Hochgeachteter Herr Bürgermeister!

Empfangen Sie vorerst meinen besten Dank für die in Ihrem Schreiben vom 30ten v. Mts enthaltenen Nachrichten über Flüchtlings Entschädigung, Post-Ertrag u Einführung der Zölle; wir wollen nun gewärtigen was u wann in Erfüllung geht.

Sie werden eine Zuschrift des Regierungsrathes wegen den neuen Anständen in Betreff der Linthzölle erhalten haben; ich dachte mir, daß Ihnen eine Einsicht in den ganzen Vertrags-Entwurf zu näherer Würdigung des Sachverhaltes erwünscht sein könnte u ich bin daher so frei Ihnen eine getreue Abschrift desselben hiemit zu übersenden.

Es scheint, auch in den Redaktionen, das Handels Departement die wirklichen Verhältniße nicht richtig aufzufaßen. Was haben z. B. die Linthzölle mit den Consumo Gebühren zu schaffen – was soll das heißen; «es haben die 4 Kantone die Verwaltung des Linthwerks mittelst einer Linthschiffahrts Co besorgt» – diese hat gar nichts mit dem Linthwerk zu thun, sondern die Schiffarth u den Zollbezug zu überwachen u die daher fließenden Netto Einkünfte an die eidg. Linthpolizei Co abzugeben, welche die ganze eidg. Unternehmung leitet u unterhält» – In Art. 3. erscheint wieder die Verwaltung des Linthwerks als kontrahirender Theil u in Art 5. soll die Linthschiffahrts Co, resp. die Cantone indirekt mit der Unterhaltungs Pflicht des Linth Unternehmens belastet werden, wozu keiner, am allerwenigsten der Kanton Zürich angehalten werden kann. Die Entsumpfung eines weiten Gebietes u die Verhinderung der Wieder Ueberschwemmung durch ein Canalisations-System war u ist der Hauptzweck dieses von allen Kantonen ursprünglich unterstützten großen Werks, das auch immer von der Eidgenoßenschaft im Bau u in der Unterhaltung durch ihre Linthpolizei Co geleitet wurde. Eine natürliche Folge der Canäle war die | Schiffarth auf denselben, aus dieser zog man durch einige Gebühren die Mittel das Ganze zu erhalten, u die Co wie schon ihr Name zeigt hatte und hat zur Stunde noch nur die Verpflichtung diesen Bezug für die Eidgenoßenschaft zu besorgen, u den Ertrag zu obigem Zweck wieder abzugeben; dies u nicht mehr kann man von ihr fordern; die Unterhaltung der Linthwerke liegt ihr nicht ob.

Es geht daraus nebenbei auch klar hervor, daß diese Zölle weder einem Canton, noch einem Privaten oder einer Corporation, sondern der Eidgenoßenschaft in letzter Instanz zu einem von ihr selbst bestimmt formulirten Zweck (1847) gehört haben u daher in gar keiner Verbindung mit den Zollentschädigungen an die Kantone gebracht werden können.

Dürfte ich Sie wohl bitten Herrn Frei-Herosée, oder wenn dies nicht möglich sein sollte, dem Bundesrath den wahren Gesichtspunkt in dieser einfachen Angelegenheit beizubringen.

Mit wahrer Freude habe ich Ihren Namen an der Spitze der Eisenbahn Motion gelesen u nicht ich allein – Sie erwerben sich ein neues Verdienst um Zürich; nur zweierlei fürchte ich; die einseitige Experten Manie des Bundesrathes; und eine allfällige unbedingte Zins Garantie, wodurch die abentheuerlichsten Projekte ( Hausenstein , Lukmanier usw) in's Leben gerufen werden sollten. Ohne Zins Garantie geht es nun einmal nicht, davon habe ich mich auch überzeugt, aber ein Correctiv jener Gefahr dürfte man in der Rückbürgschaft der betreffenden Cantone nach der Länge der Bahn im Gebiete usf bis etwa auf die Hälfte 1¾% bei 3½% finden; dann wird man sich besinnen uneinträgliche Caprice Bahnen zu betreiben.

Entschuldigen Sie diese lange Epistel und genehmigen Sie die Versicherung meiner achtungsvollen Ergebenheit.

Ed Sulzer

Blwg. d. 15. Dezbr 1849
Nachts

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