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Korrespondenz: Alfred Escher – Hans Heinrich Hürlimann-Zürcher

AES B0712 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#287*

Hans Heinrich Hürlimann-Zürcher an Alfred Escher, Richterswil, Sonntag, 18. November 1849

Schlagwörter: Parteienstreitigkeiten, Regierungsrat ZH, Religion, Verfassung ZH

Briefe

JEAN HURLIMANN
à
RICHTERSCHWEIL
CT. ZURICH

Richtenschweil 18 Nov. 1849.

Mein Hochgeachteter Herr & Freund!

Ihre verehrl: Zeilen vom 15t dieß sind mir bestens geworden. Sie erwarten mich wie es scheint Anfangs dieser Woche in Bern , leider ver zögert sich meine Abreise noch um volle 8 Tage & ich gedenke wenn nichts in den Weg trittet Morgen über 8 Tage von hier zu verreisen, in der Hoffnung daß ich dadurch noch gar wenig versäumen werde. –

Die Martini Geschäfte sind nun wohl beseitigt, allein noch sind in diesen Tagen die amerikanischen Sendungen zu bewerkstelligen & es ist mir von großer Wichtigkeit die Anordnungen dazu per söhnlich treffen zu können. –

Ich habe wohl acht gehabt, ob von conservativer Seite hierorts etwas gegen die Annahme der Organisation der Regirungsrathes ge than werden wollte, & mich überzeugt daß die conservativen Führer sich ganz ruhig verhielten, ich konnte daraus annehmen daß die conservative Parthey wenigstens nicht öffentlich noch heimlich agirte, denn wäre so etwas an der Sache gewesen, so würden unsere Leute wohl auch dabei gewesen seyn.

Man hat bei der Verbreitung der abgeänderten Ver faßungsgeseze sämtl: naml. aber die liberalen Männer zur lebhaften Theilnahme an der Abstimmung aufgefordert, und um eher zum erwünschten Ziele zu kommen, die Versammlung gleich nach Beendigung des MorgenGottesdienstes angesagt. Leider aber haben wir einen neuen Beweis der politischen Abmattung | unsers Volkes; die Anwesenden zählten nicht mehr als 65 Mann von 651 stimmberechtigten Bürgern, wovon 59 das Directorial System annahmen, 6 aber verwarfen.

In der Kirche mochten zwischen 2 & 300 Antheil am Gottes dienste genommen haben, wovon sich aber wie Sie sehen die Meisten nach Hause entfernten troz dem daß der President sie dringend mahnte sich bei dem wichtigen Geschäfte zu betheiligen.

Es ist nun in Gottes Nahmen vor der Hand auf keine regere Theilnahme des Volkes zu zählen, bis allfällige Erreignisse es aus seiner Apathie rütteln, die es gegen alles polit: Leben an den Tag legt. –

Ich glaube die VerfaßungsÄnderungen sind im Canton mit Mehrheit durchgegangen, & so könnte man sich am Ende noch, doch wenigstens mit dem Resultat zufrieden erklären.

Von den benachbarten Gemeinden Waedenschweil & Staefa habe ich noch nichts gehört wie es da gegangen ist. –

In aller Eile Ihr mit Hochschäzung ergebene

Hurlimann-Zürcher

Meinen dortigen Freunden Allen, wollen Sie gütigst meinen freundlichen Gruß vermelden.

Kontexte

  • Gemeindepräsident Richterswil