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Korrespondenz: Alfred Escher – Gottfried Keller

AES B0704 | ZBZ Ms GK 77.6

In: Jung, Aufbruch, S. 140 (auszugsweise)

Gottfried Keller an Alfred Escher, Heidelberg, Dienstag, 30. Oktober 1849

Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Finanzielle Unterstützungen, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat ZH, Universitäten und Hochschulen (diverse)

Briefe

Hochverehrter Herr Bürgermeister!

Sie haben wiederholt mir das gütige Wohlwollen erwiesen, von den Beschlüssen des hohen Erziehungs- und Regierungsrathes mir freundlichst Kenntniß geben zu wollen. Seither habe ich auch die ammtliche Anzeige durch die Staatskanzlei, sowie die Summe für das bevorstehende Semester erhalten und bin dadurch in den Stand gesetzt, ferner auf freie und bequeme Art meiner literarischen Entwickelung nachleben zu können. Möchte es mir im Laufe dieses Jahres gelingen, einigermaßen zu beweisen, | daß das Vaterland nicht umsonst sein Vertrauen in mein Talent und in meinen Fleiß gesetzt hat.

Einstweilen aber bleibt mir nur übrig, Ihnen, hochgeehrter Herr Bürgermeister! meinen ergebensten und wärmsten Dank vorzulegen für Ihr gütiges und eifriges Bemühen, sowie Ihren hochgeachteten Herren Kollegen für derselben wohlwollendes Zustimmen in dieser Sache.

Hoffentlich haben Sie meinen Brief in Betreff Herrn Prof. Hagen's und Herren Prof. Häusser's seiner Zeit richtig empfangen. Seither ging hier die Rede, daß Herr Häußer berufen worden sei. Jedermann war aber der Meinung, daß derselbe den Ruf nicht annehmen, wohl aber benützen würde, das bad. Ministerium zu veranlassen, ihn hier zum Ordinarius zu befördern. Vielleicht ist dies Gerücht auch durch | ihn selbst veranlaßt worden; denn in diesem Jahre ist die Universität Zürich hier im gleichen Kreise schon einmal auf ähnliche Weise benutzt worden, in einem Falle zwar, welcher für Zürich vortheilhaft , wenn es wahr gewesen wäre.

Noch einmal ersuche ich Sie, hochverehrter Herr Bürgermeister! die Versicherung genehmigen zu wollen des herzlichsten Dankes und der ausgezeichnetsten Hochachtung

Ihres ergebensten

Gottfried Keller.

Heidelberg d. 30st Okt. 1849.

P. S. Sobald ich in Berlin angekommen und mich orientirt haben werde, will ich so frei sein, dem Einen oder Andern verehrten Herren zu berichten.