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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Ulrich Schiess

AES B0658 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#432*

Johann Ulrich Schiess an Alfred Escher, Bern, Dienstag, 17. Juli 1849

Schlagwörter: Amtsbürgermeister/Regierungspräsident ZH, Bundesrat, Flüchtlinge (Baden), Flüchtlinge (Ungarn), Flüchtlingspolitik, Konflikte mit Drittstaaten, Neuenburger Frage (1848–1857), Revolutionen (1848/49)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Verehrtester Herr!

Noch muß ich Sie ersuchen, die Beilagen, die sich auf das Budget beziehen, gefälligst unterzeichnen u. sodann hieher zurüksenden zu wollen. Alsdann hoffe ich, Sie sobald nicht wieder belästigen zu müssen.

In Beziehung auf Hrn. Exchaquet , der sich schriftlich an Sie gewendet, kann ich Ihnen die Mittheilung machen, daß derselbe allerdings schon im Februar verschiedenes konfuses Zeug dem Bundesrathe eingesandt hat, welcher hinwieder dasselbe dem politischen Departemente über mittelte. Lezteres mag wichtigere Geschäfte zu erledigen gehabt haben, weshalb die Berichterstattung bis jezt unterblieben ist. Reklamant ist nämlich ein unglüklicher Prätendent, welcher weitläufig u. durch einen sehr verschlungenen Stammbaum darthun will, daß seine Ansprüche auf die Fürstenthümer Neuchatel & Valangin in der That u. Wahrheit und beim rechten Lichte besehen, gegründeter wären, als diejenigen des Königs von Preußen u. daher möchte doch die Eidgenossenschaft so gefällig sein u. ihm gelegentlich wieder zu seinem Eigenthum zu verhelfen. Sie sehen, die Geschichte wird sehr romantisch u. allerliebst u. der lezte der zürcherischen Bürgermeister wird wohl noch eine Lanze für Mr Exchaquet brechen müssen. Glük zu, ich werd' ihm sekundiren!

In der Flüchtlingsangelegenheit hat der Bundesrath | gestern den energischen Beschluß gefaßt, daß alle politischen und politischen Führer der badischen Bewegung, sowie alle diejenigen, welche bereits am 2 ten Aufstande im September v. J. betheiligt waren, das Gebiet der Eidgenossenschaft verlassen sollen.

Mit Frankreich ist man wegen des Durchlasses in Unterhandlung u. den verschiedenen deutschen Regierungen wird die Ertheilung einer möglichst umfassendn Amnestie zu gewähren.

Die armen Teufel von Flüchtlingen sind nicht gut angeschrieben, wenigstens die deutschen nicht, anders verhält es sich freilich mit den Ungarn wie diese es allerdings auch besser verdienen. Allein in Ungarn selbst stehen, den neuesten Berichten zufolge, die Sachen mißlich, vielleicht entscheidet eine einzige Schlacht, die bei Komorn bevorstehen soll.

Stehe Gott dem edeln u. heldenmüthigen Volke bei!

Genehmigen Sie die Versicherung meiner ergebenen u. freundschaftlichen Hochachtung.

Schieß

Bern den 17 Juli 1849.