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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B0643 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, s.l., Dienstag, [15. Mai 1849]

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Bundesrat, Familiäres und Persönliches, Handelskammer ZH, Krankheiten, Parteienstreitigkeiten, Polemiken und Anwürfe (Escher), Rechtliches, Regierungsrat ZH

Briefe

F. G. Ehrhardt
Cantons Fürsprech in Zürich.

Mein lieber Escher!

Nur mit wenigen Worten theile ich Dir mit, daß heute der Injurienproceß C. Spillmann verhandelt wurde u. horribile dictu das Obergericht, wie ich so eben erfuhr, denn das Urtheil ist noch nicht eröffnet, die Strafe auf 4 Tage Verhaft u. 120 fr Buße reducirt hat, indem es in mehrern Punkten nur Beschimpfung angenommen haben soll. Dies um so auffallender, da der Staatsanwalt seiner Seits die Berufung ergriffen hatte u. auf Erhöhung der Buße antrug. Ueberhaupt bin ich mit Kohn zufrieden; er plädirte für Dich u. Bollier ganz ordentlich, ihm kann jedenfalls kein Vorwurf gemacht werden. Bollier u. Präs. Ullmer haben recht: das Obergericht fürchtet die freien Stimmen. Spillmann war in seinem Vortrage artiger wie ich erwartete. So bald ich das Urtheil habe will ich es Dir senden u. soll es in der N.Z.Z. erscheinen. Es ist wahr: bei unserm Obergericht ist Alles möglich! – | In der Angelegenheit Kubli nichts Neues. Uebrigens hatte Dein Vater recht, wenn er gegen die Publication war. [A...le?] hätte jedenfalls mehr Aufmerksamkeit erregt, als K. Schritte, die – ich habe mich überzeugt – ganz spurlos geblieben sind. Der Artikel in den Fr Stimmen wollte jedenfalls nur provociren.

Sonst hier nichts von Bedeutung. Brändli leider noch immer tief im Bette. Heiri war ebenfalls 4 Tage krank zu Hause. Bollier hatte wieder, aber sehr schwache Blutauswürfe u. ist jetzt wieder erträglich auf den Füßen. Carli zum 3ten mal glücklicher Vater u. zum 4ten male bereits wieder in der Hoffnung.

Adieu! Morgen um 4 Uhr muß ich verreisen u. jetzt ist es schon über 10 Uhr. nachdem ich auch heute fort war bin ich so müde, daß mir die Augen zufallen.

Stets Dein

E.

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