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Korrespondenz: Alfred Escher – Melchior Friedrich Sulzer

AES B0634 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#81*

Melchior Friedrich Sulzer an Alfred Escher, Zürich, Dienstag / Mittwoch, 1. / 2. Mai 1849

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Bundesrat, Handelskammer ZH, Regierungsrat ZH, Zollwesen

Briefe

Hochgeachteter Herr Bürgermeister!

Sie sind nun seit zwei Tagen im Besitz des Gegenprojektes der Handelskammer in Zollsachen, & ich zweifle nicht der R.R. werde übermorgen, gedrängt durch die Zeit, das Gutachten in Bausch & Bogen billigen & nach Bern versenden, mittlerweile wird dasselbe gedruckt & schon vorher als für sich bestehend im Canton vertheilt werden. Verzeihen Sie wenn ich mir erlaube noch ein Paar Bemerkungen voraus zu schicken, sie betreffen namentlich Seide & Bwolle.

Wenn im allgemeinen von einer Handelskammer & besonders von der unsrigen nichts anderes zu erwarten ist als die beiden Sätze: 1stens nichts bezahlen, 2tens so wenig als möglich, so ist denn doch in diesem neuen Projekt eine auffallend einseitige Tendenz befolgt worden um die Seide vor einem etwas höhern Ansatz zu bewahren, dazu soll vorzüglich die Reduction auf 6 Classen dienen. Sie werden bemerken daß von der 3ten zu Fk 1. dann plötzlich ein Sprung auf Fk 5. für die 4te gemacht wird, was nichts anderes sagen will als, Niemand darf daran denken die Seide über 10 Batzen zu setzen denn man müßte ja sonst Fk 5. festsetzen. Die Folge einer Taxe von bloß 10 Batzen wäre daß die neue Zollbelästigung viel niedriger zu stehen käme als die frühere, es sind uns nämlich genaue notizen vorgelegt worden nach welchen über den | Splügen pr Ctr Seide F 1. 4 [...?] an Zöllen aller Art von der Lombard: Grenze bis Zürich erlegt werden müssen, die Freunde aus Graubünden können gewiß darüber noch genauere Auskunft geben. Nun frage ich wie das herauskommen soll wenn die Eidgenoßensch: die frühern Cantonal-transit Zölle beseitigen will & nachher nicht einmahl das aequivalent wieder erheben dürfte. Ich glaube daher die größere Zahl von Classen nach dem B/räthlichen Entwurf bilde das bessere System, jedenfalls sollte wenigstens in dem unsrigen zwischen die 3te & 4te noch eine neue Classe von etwa Fk 3 eingeschaltet werden.

Mit der B:wolle kömmt ein ähnliches Verhältniß vor, die ist jetzt auf 1 Batzen herabgesetzt & die jetzigen Zölle über Basel nach Zürich betragen etwas über 2. Batzen pro Ctr & wenn man auch hier nicht wie mit der Seide an die Bergrouten gebunden ist, so ist doch bekannt daß weit aus der größte Theil der Bwolle über die Zoll theure Straße BaselArgau hieher kömmt.

Ich gebe zu daß das Züricherische Projeckt in gewöhnlichen Zeiten sehr viel für sich hätte, aber es handelt sich vor Allem aus Geld zu machen & da finde ich das Budjet welches H. Ed. für die Eidgenoßenschaft macht nichts weniger als beruhigend; wenn sie nur einigermaßen ihren Verpflichtungen nachkommen will, so werden die Cassen | gewiß nicht überfüllt seyn, gesetzt auch man nähme die Zolltarife an wie sie von dem B/R. vorgeschlagen sind. Sehr zu bedauren sind abentheuerliche Vorschläge wie z. B. verschiedene Taxen je nach verschiedenen Grenzpunkten, überhaupt nehmen die Zolldebatten eine Wendung, die mich immer mehr in der Meynung bestärken, man sollte dem Post.- [...?] noch einige Zeit Sorge tragen.

Ich bitte nochmals um Entschuldigung Sie mit meinen Finanz Bemerkungen so oft zu belästigen & verharre mit Hochschätzung & Ergebenheit.

[...?] M F Sulzer

Z. d. 1/2 Mai 1849.