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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B0631 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 20. April 1849

Schlagwörter: Freundschaften, Polemiken und Anwürfe (Escher), Rechtliches

Briefe

F. G. Ehrhardt
Cant. Fürsprech in Zürich.

Lieber Escher!

Durch Deinen Vater, von dem ich so eben zurückkehre, wirst Du schon vernommen haben, wie jetzt sich die Affaire [Kubli?] neuerdings gestaltet hat. Ich füge nur einen Bericht von Rapperschwil an Hauptmann N. bei, aus welchem Du einen neuen Beleg für die Schlauheit unserer Polizei zu schöpfen im Stande sein wirst. Schicke ihn mir gefälligst nach genommener Einsicht. Außerdem theilte mir die Polizei so eben mit, daß auf der Post ein Ballet der Brochüren an die «Gesellschaft zum Saffran» liege, das so eben angelangt sei. Von einer Beschlagnahme kann natürlich nicht die Rede sein nach der genommenen Abrede. Sie würde auch nichts helfen, denn morgen würde eine Sendung folgen u. uns viel Lärmens ohne einen Zweck zu erreichen gemacht werden. Die maßenhafte Zusendung an die Saffran scheint mir ein Beweis zu sein, daß auch hier wieder Deine Feinde die Hand im Spiele haben. Dein Vater wünscht die Publication des bezirksgerichtlichen Urtheiles in dem besprochenen Sinne. Ich will morgen von beiden Urtheilen Abschriften nehmen lassen, damit wenn es auch in Deinem Plane liegt, die Veröffentlichung sofort geschehen kann. Aber sollten nicht einige einleitende Worte – warum jetzt die Publication erfolge beigefügt werden?|

Deinem Vater scheinst Du sehr zu fehlen. Ich begreife es: gerade in dieser fatalen Angelegenheit bist Du der Einzige gewesen, mit dem er sprechen konnte u. das ist bei solchen Veranlassungen zum Aerger Bedürfniß. Er hat mit mir ganz zutrauungsvoll über die Angelegenheit gesprochen u. ich ihn gebeten, über mich zu jeder Zeit zu verfügen, wenn er es wünscht, sich über diese Fatalität zu expectoriren. Ich brauche Dir gewiß nicht zu sagen, daß ich dies mit der größten Bereitwilligkeit thun werde.

Thun kann ich einstweilen gar nichts u. befürchte, daß es auch fürs Erste dabei bleiben wird; denn [Kubli?] wird sich hüten nach der A. Warnung unsern Canton zu betreten.

Adieu, mein lieber Freund. Mit der Hoffnung auf einige Zeilen stets Dein

E.

Zürich
den 20. April 1849.