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Korrespondenz: Alfred Escher – Gerold Meyer von Knonau

AES B0617 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#352*

Gerold Meyer von Knonau an Alfred Escher, Zürich, Donnerstag, 1. März 1849

Schlagwörter: Bittbriefe (diverse), Regierungsrat ZH, Wahlen

Briefe

Hochgeachter Herr & Freund!

Ihre äußerst gütigen Zeilen vom 26 v. M. haben mich ausnehmend erfreut, denn sie brachten mir die erste Kunde, daß die Hohe Regierung mich ein stimmig wieder zum Staatsarchivar ernannt habe. Ich wuß te dieß mehr zu schätzen, als wenn mir aus Californiens Füllhorn ganze Klumpen zugefallen wären. Diese wären blendender Tand geblieben; für den Mann aber, der auf Ehre alles hält & der von ganzem Herzen Republikaner ist, bleibt eine solche Ehrenbezeugung unvergeßlich und macht manches Schwierige vergessen, das auch den Archi varen treffen kann. Erhalten Sie mir weiter Ihre freundschaftliche Gesinnung, die meinem ganzen Wesen so wohl thut, und das darf ich fröhlich hier niederschreiben, daß Sie an mir nie irre werden sollen.|

Bei diesem Anlaße erlaube ich mir Ihnen aus einem Briefe einer Zürcherin, die ich um ihres großen Verstan des & ihrer freisinnigen Anschauungsweise willen ehre, ich meine der Fräulein Küngold Ulrich, eine Stelle mitzu theilen. Sie schreibt mir aus Meilen: «Ihren verehrten Herrn Vater vermisse ich persönlich ganz besonders in dieser Zeit. Ein so wohlwollender Freund im Regierungsrath und wohl auch väterlicher Rathgeber wenn ich ihn privatim dafür angesprochen hätte, thäte mir gar sehr noth, bei der obwaltenden Straßenangelegenheit, welche die Annehmlichkeit meines l. Nestchens zu zerstören droht. Und doch muß ich froh sein, daß mein Vater diesen Verdruß nicht erlebte.» Ich theile Ihnen diese Zeilen zwar ohne den mindesten Auftrag mit, allein ich dachte, ich wolle Sie einerseits da rauf aufmerksam machen, daß es mir vorkomme, unsere Herren Ingenieure lesen mitunter zwischen den Zeilen, was vielleicht im vorliegenden Falle, der nächstens vor Regierungsrath kommen wird, auch sein möchte, & ander | seits fragen, ob, wenn es nicht unumgänglich nothwendig ist, bei dem Ulrichschen Gute in Feld-Meilen, nicht die bisherige topfe bene Straße, versteht sich mit der nöthigen Erweiterung, bei behalten werden könnte. Ne sutor ultra crepidam werden Sie mir entgegnen; doch ich erlaube mir, gleich mit einer Replik bei der Hand zu sein. David Ulrich, der Bruder unserer Mitbür gerin, ist auch für Sie ein Gegenstand großer Achtung & muß es für Jeden sein, der die 1830er Schöpfungen zu erfassen weiß, von welchen sein Name unzertrennlich bleiben wird. Könnten ein Dr. Alfred Escher & seine auch einflußreichen Freunde, die HHerrn Bollier, Rüttimann, &s. f. dem nicht mehr unter uns weilenden Staatsanwald D. Ulrich nicht sein furchtloses Wirken für Freiheit & Recht noch dadurch vergelten, daß Sie das Gütchen, an welchem auch er mit Liebe hing, unverkümmert ließen?

Mit der aufrichtigsten Hochachtung

verbleibe ich

Ihr treu ergebene

Meyer von Knonau.

Zürich, den 1 März 1849.