Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Gerold Meyer von Knonau

AES B0615 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#352*

Gerold Meyer von Knonau an Alfred Escher, Zürich, Montag, 19. Februar 1849

Schlagwörter: Berufsleben, Parteienstreitigkeiten

Briefe

Hochgeachter Herr und Freund!

Ich begreife ganz gut, daß Ihnen die er sten Zeilen in Dr. Furrers Brief etwas räthselhaft waren; allein ich hatte vor, Sie allernächstens zu be suchen, um Ihnen mein Anliegen vorzutragen, will es aber lieber gleich jetzt thun. Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich in meinen Mußestunden mit helve tisch-biographischen Studien, & habe dabei, ich darf es wohl sagen, Manches gelernt. Wie sr. Zeit das Buch getauft werden wird, darüber bin ich mit mir selbst noch nicht im Reinen. Genug es ist historisch-literarischen Inhaltes. Nun bat ich Furrern mir in nuce sein Leben zu erzählen & es machte ihm selbst Freude, sich so manches wieder in's Gedächtniß zu rückzurufen, wovon einzelnes ihm gleichsam entschwunden war. Diese seine Mittheilung will ich dann für meine Ar beit benutzen. Aber auch an Sie sei die gleiche Bitte gerichtet,| & es geht mir mit Ihnen, wie mit Furrer; die Hauptmomente Ihres Lebens sind mir wohl bekannt, aber anderes nur halb. Sollten Sie daher binnen einem Vierteljahre Zeit finden, mir auf ein Paar Blättern Papier Ihre hauptsächlich sten Lebensschicksale aufzuzeichnen, so können Sie versichert sein, daß Sie mir eine große Freude bereiten, und eines Tages sehen werden, daß Sie es nicht zu bereuen haben, auf die Bitte eines treuen Freundes eingegangen zu sein.

Als ich Sie am 1 dßs sprach, gaben Sie mir den Wink ich solle mich, wenn es mir möglich sei, mit Einer Zeile an Sie wen den, Sie sehen, ich bin ein Unfolgsamer; doch Scherz bei Seite. Haben Sie meine, wenn ich nicht irre, in 5 Zeilen zusammenge drängte Anmeldung auf die Staatsarchivarstelle erhalten? Sollte sie nicht in Ihre verehrten Hände gelangt sein, so ersuche ich Sie höflichst, es mir sagen zu lassen; denn ich gestehe Ihnen gern, daß ich weiter für das Archiv leben möchte. Dieß war auch der Grund, warum ich vor zwei Jahren die ehrenvolle Berufung an die Staatsschreiberstelle nicht annahm.

Hochachtungsvollst ganz der Ihrige

Meyer von Knonau.

Zürich, den 19 Febr. 1849.|

N.S. Was die gestrige Vereitelung Gysi-Spöndlischer Ma chenschaft anbelangt, so freue ich mich deren von ganzem Herzen, & werde solchen, obgleich gern in meinen vier Wänden lebend & ein paar wissenschaftliche Vereine & die Gesellschaft der Böcke abgerechnet nirgends als auf das Museum hingehend, nicht aus Misanthropie, sondern aus Mangel an Zeit, auch weiterhin entgegentreten, nament lich, was ich zwar jetzt nicht mehr besorge, wenn der unglückli che Gedanke wieder auftauchen sollte, aus der hiesigen [St...?] einen eigenen Bezirk machen zu wollen.

Kontexte