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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B0588 | ZBZ

In: Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3, Nr. 86

Alfred Escher an Franz Hagenbuch, Lugano, Donnerstag, 26. Oktober 1848

Schlagwörter: Bundesrat, Nationalrat, Staatsschreiberstelle (Bund und Kantone), Wahlen

Mein lieber Freund! 1

Ich danke Dir bestens für die Glückwünsche, welche Du mir anläßlich meiner Wahl in den Nationalrath dargebracht hast.2 Ich kenne ihre Aufrichtigkeit & weiß sie zu schätzen. Die Wahl hat mich gefreut theils um der Keime einer schönen Zukunft für unser Vaterland in sich tragenden Behörde willen, in die ich gewählt worden, theils um des Zutrauens willen, welches mir das Volk neuerdings bewiesen & das eine gewisse sich zu den Liberalen zählende Klike, wie wenig ich es auch verdient hätte, mir zu entziehen bemüht war. Ich werde allen meinen Kräften aufbieten, um den großen Anforderungen möglichst zu genügen, welche, wie ich fürchten muß, an mich werden gestellt werden. Ich bedaure, daß die Frage des Bundessitzes gleich im Anfange der Verhandlungen der Bundesversammlung den Teufel des Cantonalegoismus heraufbeschwören wird & daß wir Zürcher gezwungen sein werden, nicht das wenigste dazu beizutragen.|

Daß Deine Wahl mich ebenso sehr gefreut hat, als sie mich nicht überraschen konnte, brauche ich Dir nicht zu sagen. Die Art & Weise, wie sie erfolgte, kann für Dich nur ermuthigend sein. Ich weiß es, daß Du Dir es zu einer Ehrensache anrechnest, den Erwartungen, die man von Dir hegt, zu entsprechen.

Ohne Zweifel ist es Dir bekannt, daß ich, wenn der Vorort mich von meiner Stelle als Repräsentant entläßt oder beurlaubt & wenn bis Sontag Abends nichts außerordentliches vorfällt, am Dienstag Abend in Zürich eintreffen werde. Wir werden uns dann sehen & manches mündlich besprechen können, welches mir die Zeit in diesem Briefe zu berühren nicht erlaubt.

Ich werde von einem jungen Manne, dessen Vater uns schon Dienste erwiesen, ersucht, den beiliegenden Paß nach Zürich zur Einholung des Österreichischen Visums zu schicken.3 Er meint, durch die hiesige Staatscanzlei würde die Sache viel langsamer gehen. Willst Du die Güte haben, die Sache zu besorgen & den visirten Paß unter Nachnahme der Auslagen an Herrn Landammann| Munzinger4 in Lugano (ich werde dannzumal hoffentlich nicht mehr hier sein) gelangen zu lassen.

Und nun so Gott will auf kurze Zeit Lebewohl! Auf Wiedersehen. Sei herzlich gegrüßt von

Deinem

A Escher

Lugano.
26. October 1848.

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notitz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «1848 | 26. X» .

2Brief nicht ermittelt.

3Personen nicht ermittelt.

4 Josef Munzinger (1791–1855), Landammann und Kantonsrat (SO).