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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Huggenberg

AES B0578 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#280*

Johann Jakob Huggenberg an Alfred Escher, Winterthur, Freitag, 29. September 1848

Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Nationalrat, Rechtliches, Wahlen

Briefe

Mein Hochgeachteter Herr u. Freund!

Endlich bin ich im Fall Ihnen zu melden, daß die Erklärung über den Nachlaß unsers sel. Freundes von Frau Oberst Weiß erfolgt ist. Sonntags nemlich fanden die Anwesenden, denen ich mittheilen konnte, daß gegen 3600 fl Beyträge gezeichnet seyen u. denen ich auch von Ihrem Wunsche Kenntniß gab: es sey nun unter allen Umständen anzutreten, wozu auch natürlich Frau Weiß herzlich gerne einstimmte. Aber mit den Creditoren gab es noch einen harten Stand, namentlich mit Bühler. Dieselben nahmen nemlich, wie ichs in Baltenschweil voraussah, bestimmt an, es werde nicht ausgeschlagen werden u. ich mußte froh seyn, Montag Bühler (der so wenig als die andern Credit. Sonntags der Einladg Folge leistete,) dazu zu bringen, daß er sich mit 75 p. c. befriedigt erklärte! – Heute nun nahm das Bez.Gericht von der Erklärung der Frau Weiß Notiz u. beschloß auf ihren Wunsch: nicht zu publiciren, was sehr recht ist. Es wäre nun also ein bedeutender Schritt vorgerükt, wenn nun nur noch die Liquidation im Reinen wäre, da wirds noch manches Ach u. Weh geben! – Gerne würde ich Ihnen eine Lieste von den Beytragenden mit theilen, allein sie ist jedenfalls noch nicht ganz vollständig u. es ist Ihnen vielleicht lieber, sie nach Ihrer Zurükkunft einzusehen. – mangeln nur noch die Erklärungen, ich mel Von den Herren Oberst Fierz u. Reg.R. Billeter dete dieß Herrn Reg.Rath Bollier, der wahrscheinlich die nöthigen Schritte thun wird.

So ehrenvoll der Ruf ins Teßin für Sie ist, so sehr bedaure ich ebenfalls, daß Sie, was gewiß sehr nothwendig gewesen wäre, nicht bey uns wirken können. Es taucht hin u. wieder der Wunsch auf, es möchte der Canton | für die Wahlen der Nat.Räthe bey den 11 Bezirken (mit nöthiger Abänderg) eingetheilt bleiben, indem sich die Sache beßer machen würde, als in größern Kreisen, wo es doch dazu kommen könnte, daß das relative Mehr entscheiden würde. – Sonntags wird Hr Statth. Müller mit einigen Freunden, namentl. auch aus den Bezirken Pfäffikon u Uster eine Zusammenkunft halten, was sehr nothwendig ist. Sehr bedaure ich, daß Sie den bevorstehenden Großrath nicht präsidiren können.

Radezki scheint etwas zähmer werden zu wollen. Sie werden nun das Bat. Benz in der Nähe haben; es war ein wahres Vergnügen, die jungen Militairs fortreisen zu sehen, alle in der größten Freude, mit Sang u. Klang. Ich mußte gerade hier die Musterung mit der 2. Landwehr durchmachen u. es war wahrhaft lustig zu sehen, wie sogar die alten Männer von der Freude der ausziehenden jüngern Mannschaft ergriffen wurden! – Die Badische Republic hat, wie nicht wohl anders erwartet werden durfte, wieder jämmerlich geendet. Doch spukt es allüberall in Deutschland – ein einiges Handeln aber fehlt gänzlich.

Hoffentlich ist Ihre Mißion, obschon allerdings sehr wichtig, bald beendigt u. Sie uns bald wieder gegeben. Einen lieben u. hochachtbaren Eidgenoßen haben Sie an Herrn Landammann Munzinger zur Seite.

Immer mit der gleichen Hochachtung und Freundschaft.

Ihr ergebenster

Huggenberger

Winterthur den 29. Sept.
1848.