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Korrespondenz: Alfred Escher – Gerold Meyer von Knonau

AES B0565 | ZBZ FA Meyer vK 32v.125

In: Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3, Nr. 80

Alfred Escher an Gerold Meyer von Knonau, Belvoir (Enge, Zürich), Sonntag, 23. Juli 1848

Schlagwörter: Tagsatzung

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Ich fühle mich gedrungen, Ihnen, bevor ich wieder zur Tagsatzung abreise, meinen herzlichen Dank auszusprechen für das Schreiben, das Sie an mich gerichtet. Die Gesinnungen, die Sie in demselben neuerdings gegen mich kundgegeben, haben mich, gerade weil ich nie an ihnen gezweifelt, nur mit desto mehr Freude erfüllt. Je seltener mir Anerkennung von Seite meiner Mitbürger im engern Sinne des Wortes zu Theil wird, desto mehr Werth muß es für mich haben, wenn einzelne derselben, welche mit mir über den engen Gesichtskreis des Pfahlbürgers1 sich zu erheben wissen, wenigstens meinem guten Willen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Seien Sie| überzeugt, daß fort & fort alle meine Kräfte dem politischen Systeme, zu dem ich mich in dem für dasselbe äußerlich ungünstigsten Augenblicke zu bekennen begann, gewidmet sein werden & daß es mein eifriges Bestreben sein wird, das politische Erbtheil, das Männer wie Ihr unvergeßlicher seliger Herr Vater2 dem engern & weitern Vaterlande hinterlassen haben, treu zu erhalten & ämsig fort zu entwickeln.

Mit wahrer Hochachtung & freundschaftlicher Ergebenheit

Ihr

Dr A Escher

Belvoir
23 Juli 1848.

Kommentareinträge

1Pfahlbürger: eine Person, die das Bürgerrecht einer Stadt besitzt, ohne dort zu wohnen.

2 Ludwig Meyer von Knonau (1769–1841), Zürcher Staatsmann, Jurist und Historiker.