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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Rüttimann

AES B0556 | ZBZ Ms Z II 308

In: Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3, Nr. 76

Alfred Escher an Johann Jakob Rüttimann, Zürich, Dienstag, 11. April 1848

Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Regierungsrat ZH, Staatsschreiberstelle (Bund und Kantone), Tagsatzung

Briefe

Mein lieber Freund!

Um Verlegenheiten auszuweichen ersuche ich Dich, mir in Beziehung auf folgenden Punct Aufschluß geben zu wollen.

Es wurde im Schooße des RRes vorläufig die Ansicht ausgesprochen, es dürfte mit Rücksicht auf Furrer's & Dein Entlassungsgesuch von den Gesandtschaftsstellen am zweckmäßigsten sein, einen dritten Gesandten in der Meinung zu wählen, daß dieser dann, wenn Furrer & Du der Tagsatzung beizuwohnen verhindert wären, den hiesigen Stand vertreten könnte. Furrer ist nun mit mir darüber einig, daß sich kaum ein solcher dritter Gesandter finden würde, der es über sich nähme, unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen & bei den weiten Instructionen, die der Natur der Sache nach ertheilt werden| müssen, allein die Standesstimme von Zürich zu führen. Es werden also immer 2 Gesandte in Bern sein müssen, natürlich vorübergehende Abwesenheiten vorbehalten. Furrer erklärt nun, «er lasse sich eher strafen» als daß er in der nächsten Zeit nach Bern ginge. Ich wünschte also Deine Erklärung mit Beziehung auf die Frage, ob Du Dich nicht dazu verstehen ließest, als Gesandter fortzufungiren & somit Dein Entlassungsbegehren zurückzuziehen, wo möglich mit umgehender Post zu erhalten. Wir müssen hier des bestimmten wissen, wessen wir uns in dieser Beziehung zu versehen haben.1

Mein Entlassungsbegehren, für das Du Dich wohl interessirst, ist vom RRe behandelt worden. Der Beschluß desselben, auf dessen Fassung mir natürlich sehr viel ankömmt – sie wird denke ich Donnerstags bei Verlesung des Protokolls festgestellt werden – liegt noch nicht in meinen Händen. Herr Eßlinger hat nicht über sich vermocht, im RRe | zu erklären, es sei in meiner Person keine Veranlaßung zu seinem Rücktritte zu suchen. Dieß könnte ich ihm nicht übel nehmen, da er ja, wenn er es thäte, gemäß Aufschlüssen, die er gestern Nachmittag Bollier gegeben, lügen würde. Ich verlange nur vom RRe, daß er erkläre,

ich habe Hrn. Eßlinger durch mein Verhalten gegen ihn keine Veranlaßung zu seinem Rücktritte gegeben & es sei darum nicht anzunehmen, daß Herr Eßlinger um meiner Person willen sein Entlassungsbegehren eingereicht habe.

Dieß kann der RR leicht erklären, da es mit der Wahrheit vollständig übereinstimmt. Will der RR dessenungeachtet diese Erklärung nicht abgeben, so habe ich allen Grund anzunehmen, er setze keinen Werth auf mein Verbleiben an den Stellen, die ich niedergelegt & dann bleibt es bei meinem Entlassungsbegehren, immerhin in der Meinung, daß ich nicht aufhören| werde, wenn auch in anderer Stellung Euer getreuer Mitarbeiter zu sein.

Es kommt mir vor, es sollte mit Beziehung auf die immer mehr um sich greifende Verdienstlosigkeit namentlich in den östlichen Landesgegenden im nächsten großen Rathe etwas geschehen. Ich glaube, es wird erwartet & es könnte leicht, wenn der gr. Rath, ohne der bedeutenden Noth auch nur einen Augenblick Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, auseinander ginge, eine gefährliche Mißstimmung entstehen. Ich werde den Gegenstand natürlich mit Furrer usf besprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dein

A Escher

Z. 11t April 1848.

Kommentareinträge

1Die vierte Session der ordentlichen Tagsatzung von 1847 fand vom 11. Mai bis zum 27. Juni 1848 in Bern statt. Für Zürich fungierte Ulrich Zehnder (1798–1877) als erster und Johann Jakob Rüttimann als zweiter Gesandter. Escher wurde zum dritten Gesandten ernannt, jedoch aufgrund seiner Arbeit in der kantonalen Verfassungskommission beurlaubt. Vgl. NZZ 15. April 1848, 16. April 1848; Die Bundesrevision (1847/48), Absatz 18.

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