Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Huggenberg

AES B0547 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#280*

Johann Jakob Huggenberg an Alfred Escher, Winterthur, Sonntag, 19. März 1848

Schlagwörter: Krankheiten, Sonderbund, Wahlen

Briefe

Mein Hochgeachteter Herr u. Freund!

Sie wißen, daß ich kein Freund von Solicitationen bin u. dennoch muß ich hier eine Art solcher an Sie richten. Ich werde nemlich von ver schiedenen Seiten bestürmt: Schritte für die Erwählung des Herrn Oberstl. Ginsberg zum Polizeychef zu thun. Hr Ginsberg ist, wie Sie wißen, ein tüchtiger Militair, strenge im Dienst u. er dürfte gerade fürs Polizey wesen nicht wenig Geschik haben, wenn er sich, was zu hoffen wäre, der Sache gehörig annähme. Er war mit meiner l. verstorbenen Schwester verehelicht, was mich um so eher veranlaßt, diese Zeilen an Sie zu erlaßen, obschon ich seit einiger Zeit in keiner nähern Verbindung mehr mit ihm stehe.

Es erscheint mir wie eine Ewigkeit, seit wir uns sahen u. sprachen – es liegen aber auch solch ungeheure Ereigniße vor und in so kurzer Zeit vollbracht, die früher zu ihrer Ent wikelung einer halben Ewigkeit bedurften! – Wer hätte beim Beginn des Sonderbundskriegs, wenn man auch große Erfolge erwartete, sich dergleichen Weltereigniße denken dürfen! Die Wienernachrichten werden gewiß auch Sie sehr frappirt haben; wenn ich mir alles möglich dachte, so hielt ich eine Revolu tion in Wien nicht für möglich. Es läßt sich so ziemlich erwarten, was die heutige Ofenburger Volksversammlung beschließen wird. Und in allen diesen Stürmen unser l. Vaterland so ruhig u. in tiefem Frieden. Wie tief sollte dieß unsere Vaterlandsver räther beschämen! –|

Unser gemeinsamer Freund, Herr Oberst Weiß, erholt sich fataler Weise doch auch gar lange nicht von seiner Krankheit; im Gegentheil scheint die körperliche Schwäche sich eher zu vermehren! Ich bin begierig, das Urtheil Herrn Dr Bach, der ihn gestern besuchte, zu vernehmen.

Darf ich Sie ersuchen, Ihren hochverehrtesten Eltern meine herzliche Empfehlung zu melden u. auch für Sie die Versicherung unveränder licher Hochachtung u. Freundschaft zu genehmigen.

Winterthur den 19. Merz 1848

Huggenberger.
Praes.

Kontexte