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Korrespondenz: Alfred Escher – Rudolf Bollier

AES B0519 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#124*

Rudolf Bollier an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 4. Dezember 1847

Schlagwörter: Grosser Rat LU, Regierungsrat LU, Sonderbund, Wahlen

Briefe

Mein lieber Freund!

Soeben kehre ich aus einer Konferenz zurück, die wir mit Abge ordneten der pro. Rgung hatten. Wir drangen darauf, daß die Rgg sofort alle Amtsstatthalter suspendire & Andere pro. ernenne; ferner, daß sie RegierungsCommissaire bezeichne, welche die Wahlverhandlungen zu leiten haben. Es ist dieß absolut nothwendig insofern nicht das Wahlergebniß ein schlechtes sein soll, zumal sowohl die Gemeinds- als die Bezirksbeamten siegwartisch gesinnt sind & auf die Wahlen einen großen Einfluß ausüben können. Besser wäre es gewesen, wenn sie sofort alle Behörden aufgelöst & provisorische hätte wählen lassen.

Was nun die Statthlter betrifft, so hat die Rgung unserm Wunsche sofort entsprochen – nur den in der Stadt Luzern der durchaus ungefährlich sei & immer überwacht werden könne (inconsequent!) läßt sie in Funktion. Statt Kommissaire zu ernennen, müssen nun den be stehenden Gemdräthen Zuzüger aus der Gemeinde & von dieser erwählt beigegeben werden, welche die Wahlregister bereinigen & die Wahlversammlung leiten helfen. Es wird dieß, wie ich hoffe an den meisten Orten helfen. Besser noch werden sich jedoch die Gemeinden dadurch zu helfen wissen, wenn sie – wie dieß gestern in Sursee geschah – erklären, die Gmdsbehörden haben ihr Zutrauen ver loren – & neue wählen. Die Rgung hat dieß ge nehmigt. – Immer noch muß die Rgung getrieben werden; Kopp läßt sich so ziemlich herbei; – Schumacher Uttenberg mit dem es ohnehin nicht viel ist – macht überall Bedenklichkeiten & trittet allem Energischen entgegen. | Heute ist endlich auch der Beschluß erfolgt, daß die Großraths mitglieder, welche zu den Sonderbundsbeschlüssen gestimmt haben, in Anklagezustand versetzt & im Activbürgerrechte eingestellt seien. –

In uns. heutigen Konferz haben wir sodann auch der Rgung vorläufig eröffnet, daß die nicht nur in der KriegsCassa mangelnden Gelder ( 2,21000 Fkn) unverzüglich ersetzt sondern daß auch die anderweitigen Kosten schnell möglichst herbeigeschafft werden müssen. Die diesfällige Besprechung wurde eine sehr lebhafte. Man schämte sich nicht uns zu sagen (Schumacher), wenn man so gegen den K. Luzern verfahren wolle – so solle man sie als Leibeigene der Eidgsschft erklären; – ferner: (Oberrichter Peier) unter diesen Umständen müsse die Eidgschft durch ihre Soldaten das Geld von Haus zu Hause rauben lassen. Wir ermangelten nicht den Herrn lebhaft vorzuhalten, was die Eidgschft für sie gethan – welche große Opfer sie gebracht habe & ob dieß nun der Dank sei? Unsere Sprache war eine sehr entschiedene & rundweg erklärten wir ihnen, daß unter sothanen Umständen der letzte Mann der Occp-Truppen den Ktn Luzern erst verlassen werde – wenn der letzte Heller bezalt sei. – Kopp war ganz unserer Meinung & er hielt es mit uns sogar für politisch klug, wenn die Gelder so schnell wie möglich erhoben & dem Volke dadurch gezeigt werde – in welches Unglück sie die Siegwartsche Rgung gebracht habe. – Unsere Sprache wird fortan eine entschiedene sein. –

Hinsichtlich der Kriegskasse ist ein schreckliches Wirrwarr. Niemand weiß rechter Bescheid darüber. Der freiwillig von Uri zu rückgekehrte, nun verhaftete Rgungsrth Dr Schärrer gibt an, daß anfänglich vom RRthe Luzern der Beschluß gefaßt worden sei, die Gelder, welche aus eidgn. Casse enthoben werden, durch Werthschriften die d. K Luzern angehören, zu ersetzen & es sei dieß auch für Fkn 100,000 ausgeführt worden. Als dann aber d. sondrbündsche Kriegs| rath beschlossen, daß er über diese Kasse disponiren wolle – so habe die Rgung Luzerns gefunden daß nicht dr K. Luzern allein für diese Gelder einzustehen habe – zog die Werthschriften wieder zurück. Durch die Schlüsselbewahrer Zündt, Schärer & Siegrist sind nach & nach die 221000 Fkn dr eidg. Kasse enthoben & an den sonderbündischen Kriegszahlmeister abgeliefert worden. – Noch existiren andere Kassen & zwar 1) eine, in welcher das sich von den 7 Kantonen zu Sonderbundszwecken zusammen geschossene Geld befindet. Diese liegt im Rgungsgebäude, sie konnte aber bis jetzt noch nicht geöffnet werden, da Siegwart den Hauptschlüssel besitzt & ohne diesen bis jetzt die Kasse noch nicht geöffnet werden konnte. Es wird für dieselbe ein neuer Schlüssel angeschafft – (der Schlosser erklärte nämlich ohne einen solchen dieslbe nicht öffnen zu können). In derselben sollen sich noch etwa Fkn 7000 befinden. – Dann soll 2) noch eine Kasse existiren, eine s.g. HandCasse, welche von einem Helfershelfer des Kgszahlmeisters geführt wurde & diese soll noch etwa Fkn 5000 enthalten. Diese Casse ist jedoch noch nicht zur Stelle gebracht. Zündt forderte dselbe am Abend des 23 Nov. dem Besitzer Jos. Balthasar (eheml. Gerichtsprsdt) ab & entfernte sich mit derselben. – Da Zündt sich, nach sicherer Kunde in Altorf aufhält, so verlangten wir von der prov. Rgung, daß sie dessen Ausliefrung vom dortigen Truppenkomando verlange – wozu wir die erforderliche Ermächtigung ertheilt haben. Morgen geht zu diesem Zwecke der Staatsanwalt nach Altorf ab. Sind noch andere Mitglieder dort (Müller, Thalmann, Siegrist, Hautt) so hat er auch diese zu requiriren. –

Aus den Verhören des RRth Tschopp ergibt sich, daß Siegwart & Meier noch in Altorf fortregieren & über die Kassen verfügen wollten; – was jedoch von d. Mehrheit der Mitglieder nicht mehr gebilligt wurde. Siegwart wollte sie alle sodann mit nach Oestreich nehmen, wo sie unentgeldlich leben können. – In einer Sitzung des RRths habe er früher einmal eröffnet, das Oest. Kaiserhaus dem Sonderbunde fl 200,000 zinsfrei zur Verfügung gestellt habe, die je nach Umständen nicht wieder zurückbezalt | werden müssen! (Angaben Tschopps.) – Ich hoffe – da nunmehr die Prot. herbeigeschafft sind – in diesen etwas auffinden zu können. Hinsichtlich Louis Phillipps Kanonnen will ich nun auch sorgfältige Untersuchungen anstellen. –

Es wird – wie ich hoffe, gelingen die Liberalen des Kantons unter Eine Fahne zu vereinigen. Eine Abordnung aus allen Bezirken des Kantons (25 Mann) hat uns die Zusicherung gegeben in diesem Sinne zu wirken. –

Anderweitige Neuigkeiten habe ich keine zu melden. – In der Hoffnung bald etwas von Dir zu vernehmen, grüße ich Dich herzlichst & verbleibe stets

Dein

B

Luzern d. 4/XII/47.