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Korrespondenz: Alfred Escher – Gerold Meyer von Knonau

AES B0466 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#352*

In: Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3, Nr. 49

Gerold Meyer von Knonau an Alfred Escher, Zürich, Montag, 28. Juni 1847

Schlagwörter: Regierungsrat ZH, Staatsschreiberstelle (Bund und Kantone)

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Sie haben ohne Zweifel von unserm gemeinschaftlichen Freunde, Herrn Dr. Furrer, vernommen, welche Eröffnung er mir gestern gemacht hat, ein Anerbiethen, das mich im höchsten Grade freuen mußte, und auf das nicht einzugehen mir wahre Mühe machte, indem ich Männern, wie Herr Furrer & seine Collegen sind, gern einen namhaften Dienst erwiesen hätte; allein ein solcher Dienst wäre für mich das größte Opfer gewesen, da ich genöthigt gewesen sein würde, meinen Lebensplan ganz aufzugeben, Unternehmungen, in die ich mich ganz hineingelebt, fast nicht mehr ausführen zu können, Arbeiten, durch die ich hoffe, dem Staate wie den Wissenschaften nützlich zu werden. 1 Sie haben vollkommen recht gehabt, als Sie letzten Mittwoch mir sagten, mit einer Behörde, wie der gegenwärtige Regierungsrath sei, arbeiten zu können, biethe ja nur Angenehmes dar, & gerade dieß läßt mich hoffen, daß Sie, dem eine noch bedeutendere politische Zukunft, als jetzt, bevorsteht, sich geneigt zeigen werden, Ihren Freunden den Dienst zu erweisen, die Leitung der wichtigsten Canzellei des Cantons zu übernehmen, & wenn es auch| nur für zwei, drei Jahre sein sollte. Sie werden in der Folge sehen, von welch' ungeheuerm Vortheile dieß für Sie war & ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß früher unsere besten Staatsmänner, Räthe wie Bürgermeister, stets solche waren, die kürzere oder längere Zeit den Weg durch die Staatscanzellei machten. Berathende Stimme hätten Sie ja jedenfalls, & durch Ihre Voten und Ihren Einfluß würden sie völlig das erreichen, was Sie durch das Recht mitzustimmen erlangen könnten.

Ich glaubte Ihnen, Hochgeachteter Herr! diese Zeilen schreiben zu dürfen & freue mich sehr, Sie vielleicht schon in 24 Stunden als Staatsschreiber zu wissen.

Hochachtungsvollst
Ihr ganz ergebene

Meyer v Knonau.

Zürich, 28 Juni 1847.

Kommentareinträge

1 Furrer hatte Meyer von Knonau die Übernahme der Staatsschreiberstelle nahegelegt, was dieser aber ablehnte. Escher wurde darauf am 29. Juni 1847 vom Regierungsrat zum ersten Staatsschreiber ernannt. Vgl. NZZ, 30. Juni 1847; Eschers Aufstieg in der Politik (1842–1848), Absatz 26.

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