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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0464 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Freitag, 14. Mai 1847

Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Gymnasien, Reisen und Ausflüge, Wahlen

Briefe

Glarus den 14. Mai 1847.

Mein theurer Freund!

Gerne hätte ich auf deinen so freundschaftlichen Brief vom 22. v. M. schon früher eine kurze Antwort folgen lassen, wenn diese nicht vorzüglich den Zweck hätte dir den Tag, wo ich nach Zürich kommen werde, anzugeben, was mir eben früher noch nicht möglich war. Dr. Zwicki nämlich wird dir wohl schon gesagt haben, daß ich auch diesmal wieder meine Pfingstferien zu einem Ausfluge u. Besuche bei dir benutzen werde. Meine l. Frau wünscht nun ebenfalls während dieser Zeit eine Freundin in Schaffhausen zu besuchen, u. ich werde sie also zuerst dahin begleiten, dann aber für mehrere Tage nach Zürich zurückkehren. Wir haben uns nun entschlossen, übermorgen Sonntags von hier abzureisen (mit der Glarner Post), u. werden, wenn es Euch recht ist, Abends gerne in's Belvoir hinauskommen. Sollte es Euch aus irgend einem Grunde ungelegen seyn, so bitte ich dich es im Hôtel Baur sagen zu lassen. Daß wir auf der Druchreise bei Euch logiren sollen, wirst du um so weniger verlangen, als meine l. Frau allerlei Besuche, Einkäufe u. s. w. in der Stadt zu machen hat. Gerne werde ich dagegen nachher, wenn ich allein bin, deiner gütigen Einladung folgen.

So sehr mich alle die Einzelnheiten deines l. Briefes gefreut haben, so mag ich nun doch nicht mehr in dieselben eintreten; nur deine Nachfrage nach unserm Französischlehrer will ich mit Wenigem beantworten, weil vielleicht Euer Erziehungsrath| bald in die Wahl eintreten wird. Jeugo ist seinen Kenntnißen nach ein brauchbarer Lehrer, doch eher bloß für eine niedere als für eine höhere Anstalt; die Kenntniß der alten Sprachen, welche man wohl bei einem Professor am obern Gymnasium voraussetzen dürfte, mangelt ihm. In seinem Unterrichte ist er zu handwerksmäßig u. schläfrig; es fehlt ihm an innerm Triebe, die Schüler so weit als möglich zu heben, u. an Energie gegenüber denselben. Er ist verheirathet mit einer jungen Griechin, die ihn mit zahlreicher Nachkommenschaft erfreut; eine Folge davon mag seine sehr zerrüttete Oekonomie, u. diese wieder die Ursache seiner Meldung nach Zürich seyn.

Auch ich habe diesen Winter über durch die beiden Zwicki öfters Nachrichten von dir u. deinem Hause erhalten. Sehr gefreut hat es mich zu vernehmen, daß deine gute Mutter sich etwas besser befindet als früher. Bei mir ist Alles Gottlob recht wohl. Empfehle mich bestens deinen verehrten Eltern u. sey herzlich gegrüßt von

deinem

J J Blumer-Heer.