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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0407 | FA Tschudi

In: Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3, Nr. 36

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Montag / Dienstag, 3. / 4. November 1845

Schlagwörter: Attentate und Anschläge, Berufsleben, Familiäres und Persönliches, Finanzielle Unterstützungen, Freischaren, Grosser Rat BE, Krankheiten, Parteienstreitigkeiten, Reisen und Ausflüge

Briefe

Glarus den 3./4. November 1845.

Mein theurer Freund!

Ich war eben im Begriffe Dir zu schreiben, veranlaßt durch eine Bitte meines Schwagers1, die ich Dir später vortragen werde, als ich Deinen letzten Brief2 erhielt. Du hast mich zwar allerdings lange auf denselben warten lassen u. auch jetzt noch über einige, mich sehr intressirende Punkte, namentlich Deine – ohne Zweifel sehr angenehme – Reise nach München u. Deine, für diesen Winter angekündigte Vorlesungen, ohne Nachricht gelassen; indessen müssen Dich die vielen Geschäfte, in denen Du steckst, sowie die Verdrießlichkeiten, welche in letzter Zeit über Dich ergangen sind, mehr als entschuldigen. Die freundschaftliche Art, wie Du Dich mit Bezug auf letztre gegen mich aussprichst, verdient meinen lebhaftesten Dank; Dich meiner innigsten Theilnahme zu versichern, ist wohl unnöthig. Auch hier, wo man den saubern «Correspondenten»3 genau kennt u. derlei Angriffe unbefangen zu würdigen versteht, haben die niederträchtigen Artikel der – zwar wenig gelesnen – Wochenzeitung nicht bloß bei Deinen Bekannten, sondern im ganzen Publikum den ungetheiltesten Abscheu erregt. Es ist ein bedauerliches Zeichen der tiefen Versunkenheit eines großen Theils unsrer schweizerischen Presse im Allgemeinen, sowie allerdings auch der krassen Unsittlichkeit Eurer, mit Religion u. Sittlichkeit um sich werfenden Conservativen, daß die Rechte des Hauses nicht mehr heilig gehalten, daß Privatverhältnisse, welche auch nicht die entfernteste öffentliche Beziehung haben, auf den schmutzigen Kampfplatz der politischen Leidenschaften hinuntergezogen werden; – daß, wenn die eigne Person des Gegners keinerlei verwundbare| Seiten darbietet, man sich nicht entblödet, die Ehre einer unbetheiligten Familie anzutasten, das Lebensglück harmloser Eltern zu trüben. Mit Dir empfinde ich am das schmerzlichsten, daß Dein guter Vater auf so bübische Weise um den wohlverdienten Genuß eines heitern Lebensabendes gebracht wird; ich habe es letzten Winter bemerkt, wie sehr solche Angriffe ihn kränken u. niederschlagen, u. begreife sein Uebelbefinden im gegenwärtigen Augenblicke. Daß auch Deine l. Mutter wieder so krank ist, bedaure ich herzlich, u. Dir selbst möchte ich rathen, Dich mit Arbeiten möglichst zu schonen, da sonst auch Deine Gesundheit gar leicht erliegen könnte.

Du wünschest einiges Nähere über die Lebensverhältnisse des Caspar Kubli4 zu vernehmen, u. ich will Dir hiemit berichten, was ich über ihn erfahren habe. Sämtliche Mittheilungen, die mir zugekommen sind, selbst von Verwandten von ihm, bezeichnen ihn als einen ganz gemeinen, nichtswürdigen Menschen «von schlechter Ueberschrift», wie man hier zu sagen pflegt, der von jeher ein lockeres Leben geführt, im Geschäftsverkehre durch «Lug u. Trug» sich ausgezeichnet habe. Sein Vater5, in frühern Jahren hier Landschreiber u. Landsfähndrich, dann bis 1830 Regierungsrath des Cant. St. Gallen, dessen Bürger er wurde, war ein braver, ehrenwerther Mann, dessen Söhne aber meistens übel ausgefallen sind. Unser Casp. Kubli hatte anfänglich hier ein Strohhutfabrik nebst der Wirthschaft in einem damaligen Gesellschaftshause; um's Jahr 1812 ungefähr reiste er, mit Zurücklassung seiner Familie, nach Petersburg, wo er zugleich mit seinem früher dorthin ausgewanderten Bruder Paul6 den Strohhuthandel betrieb. Seine Frau7 folgte ihm nach einigen Jahren nach; er soll sie jedoch nicht zu sich genommen, sondern die Frau soll, getrennt von ihm, in Petersburg eine Kaffeewirthschaft betrieben haben, wie sie auch lange vor ihm in die Schweiz zurückkehrte. Den beiden Kubli gedieh ihr Handel jedenfalls nicht; sie hatten in ihrem Geschäfte keine Ordnung u. geriethen unter einander selbst in Prozesse. Unser Casp. verließ Ruß- | land gegen das Ende der 20er Jahre8; man darf zuversichtlich annehmen, daß er seine dortigen Gläubiger nicht befriedigt habe. Er ließ sich zuerst in Quinten am Walensee nieder, wo sein Vater Güter besaß; von da an lebte er wieder mit seiner Frau zusammen, welche vor wenigen Jahren gestorben ist. Nach kurzem Aufenthalte in Quinten begab er sich nach St. Gallen, wo er einen Handel, vorzüglich mit Spitzen, betrieb. Hier hat er nun einmal – die Jahrszahl kann ich nicht angeben, könnte sie aber noch erfahren, wenn Du es wünschtest – mit seinen Gläubigern ein Accommodement9 getroffen, wornach er ihnen nicht mehr als 10% bezahlte! Unter den Forderungen, die auf diese Weise zu Verlust gingen, rührte u. A. eine von einer Vormundschaft her, die er wohl schon 20 Jahre vorher verwaltet hatte! Natürlich wurde damals, oder wohl schon früher, auch seine Frau unter Vormundschaft gesetzt, so daß sie ihr Vermögen behielt, wovon er nun die Hälfte geerbt hat. – Das wichtigste Faktum, welches ich Dir als vollkommen gewiß angeben kann, wird für Dich seyn, daß Kubli Akkordit10 ist, daher – nach unsern Gesetzen wenigstens – nicht mehr in bürgerlichen Ehren steht. Die übrigen Thatsachen (denen sich noch einige nachtheilige Gerüchte über Kubli's Verhältnisse zum weiblichen Geschlechte anreihen ließen) gebe ich, wie ich sie gehört habe, wobei natürlich im Einzelnen Irrthümer unterlaufen können. Du wirst wohl davon keinen großen Gebrauch machen, jedenfalls muß ich wünschen, daß ich weder vor Gericht noch sonst öffentlich als Gewährsmann genannt werde. Wo juristische Beweise nöthig werden sollten, werde ich solche so gut als möglich beizubringen suchen. – Es wird Dich vielleicht noch freuen zu vernehmen, daß alle hiesigen Verwandten Kubli's, unter denen es ehrenwerthe Leute giebt, ihm den Schritt, welchen er nun gegen Euch gethan hat, abriethen u. denselben höchlich mißbilligen. Sie bezweifeln auch sehr die Richtigkeit seiner Forderung gegen Deinen Onkel11.

Mein Schwager Tschudi, der sich gegenwärtig in Zürich aufhält, wird Dir vielleicht noch etwas Weiteres über Kubli berichten können. Er läßt Dich zugleich durch mich ersuchen, ihm in seinem nun übernommnen Geschäfte12, soweit es Dir möglich seyn wird, mit Rath u. That beizustehen, namentlich wünschte er nöthigenfalls von Dir oder Deinem Vater mit Geldanlehen unterstützt zu werden. Es bleibt Dir natürlich ganz überlassen, wie weit| Du diesen Wünschen entsprechen willst; jedenfalls aber werde ich jede Gefälligkeit, die Du meinem Schwager erweisen solltest, als mir selbst erwiesen betrachten.

Und nun zu intressantern Dingen! Es kostete mich anfänglich viele Mühe, auf Dein bestimmtes Abrathen hin den Besuch der schweizr. geschichtforschenden Gesellschaft zu unterlassen; nun bin ich aber aus zwei Gründen sehr froh, daß ich Deinem Rathe gefolgt bin. Ich bin zwar überzeugt, daß ich an der Versammlung selbst, die sich im Ganzen von Politik ferne hielt, mit Jedermann wohl ausgekommen wäre; dagegen wäre die fatale Verbindung mit der lächerlichen Zürcher« Conferenz» von meinen hiesigen Gegnern ohne Zweifel dazu benutzt worden, mich hier, wo man von der geschichtforschenden Gesellschaft nicht viel wußte, in den Geruch eines Conferenzlers zu bringen. Sodann habe ich dadurch, daß ich nicht nach Zürich ging, Zeit zu einem, für mein wissenschaftliches Unternehmen weit wichtigern Ausfluge gewonnen. Ich war nämlich Anfangs Oktober mehrere Tage in Schwyz, wo mir auf die zuvorkommendste Weise, wie ich es gar nicht erwartet hatte, das Archiv zur Benutzung geöffnet wurde u. wo ich viel Intressantes für meine Arbeit fand. Der Archivar, alt Landammann Stiger13, ein entschiedner Jesuitenfreund u. Ultraconservativer, dessen Ansichten u. Neigungen jedenfalls den meinigen diametral entgegengesetzt sind, dabei aber eine biedere, kernhafte Natur, erwies mir auch privatim sehr viele Gefälligkeiten, u. ich habe wirklich an ihm u. seinem Sohne14 Leute kennen gelernt, wie ich an diesem äußersten Ende des gegnerischen Luzerns kaum zu finden hoffen konnte. Es ist dies eine äußerst wohlthuende Erfahrung in unsrer zerrißnen Zeit, auch politische Gegner wenigstens als Ehrenmänner begrüßen u. auf neutralem Gebiete freundschaftlich mit ihnen verkehren zu können! – Auch unser Freund Kothing15 hat mir sehr viele Freundschaft erwiesen; er ist nun ein glücklicher Ehemann, u. es ist ihm nur zu wünschen, daß er als Advokat eine größere Praxis gewinne oder auf andere Weise eine hinlängliche, seinen geistigen Kräften entsprechende Beschäftigung finde. Ich habe übrigens nebenbei bemerkt, daß die Zahl der Liberalen in Schwyz gar nicht unbedeutend ist; aber es sind meistens Maulhelden, die sich auf's Raisonniren am Wirthstische beschränken, u. namentlich fehlt es ihnen an einem tüchtigen, ent| schloßnen Führer.

Du hast mich eingeladen, in Zukunft wieder Correspondenzen in die N.Z.Z. einzusenden.16 Ich bin mit Dir darüber einverstanden, daß die gegenwärtige Redaktion schon während der kurzen Zeit ihres Wirkens sich ihrer wichtigen Aufgabe weit besser gewachsen gezeigt hat, als die abgetretne, mit der ich aus guten Gründen nichts mehr zu thun haben mochte. Indessen erweisest Du mir zu viel Ehre, wenn Du auf meine Correspondenzen großes Gewicht setzest; denn ich schreibe mir in der That wenig publizistisches Talent zu, wie Du solches z. B. in dem Artikel über die Berner Großrathssitzung an den Tag gelegt hast17, der ausgezeichnet war u. mir von allen Deinen, in der N.Z.Z. erschienenen Aufsätzen am besten gefallen hat. Du selbst kannst daher diesem Blatte, dessen große Bedeutung allerdings nicht genug gewürdigt werden kann, die kräftigste Stütze seyn, u. es ist nur zu wünschen, daß Du es auch fernerhin mit leitenden Artikeln bedenkest. Auch ich würde am liebsten über allgemein schweizerische Verhältnisse schreiben, aber dazu paßt in der Regel meine äußere Lage nicht, da ich hier zu wenig unmittelbare Einsicht in das gewinne, was in größern Kantonen vorgeht. Was die Correspondenzen über unsre kantonalen Verhältnisse betrifft, so habe ich dabei die Erfahrung gemacht, daß sie entweder, wenn man sich auf einfache Berichterstattung beschränkt, ziemlich unbeachtet bleiben oder, wenn man sich ein selbstständiges Urtheil über Thatsachen u. Handlungen erlaubt, dem Einsender Unannehmlichkeiten zuziehen. Letzterm kann man freilich durch strenges Festhalten der Anonymität entgehen, allein ich habe es nie über's Herz gebracht meine Worte zu verläugnen, wenn ich direkt darüber befragt wurde. Die angeführten Gründe hatten mich nun wirklich zu dem Entschlusse gebracht, der Publizistik ganz zu entsagen u. mich ausschließlich meinen wissenschaftlichen Arbeiten u. Amtsgeschäften zu widmen. Deine Bitte, sowie die seither angestellte Betrachtung, daß ich durch die N.Z.Z. auch auf einen bedeutenden Theil des Glarnervolkes, namentlich die gebildetern Klassen, einwirken kann, während ich in keines der hiesigen Blätter mehr auch nur eine Sylbe schreiben möchte, haben mich allerdings in jenem Entschlusse etwas wankend gemacht. Ein fleißiger Correspondent war ich nie| u. werde es auch in Zukunft nicht seyn, dagegen ist es wohl möglich, daß ich von Zeit zu Zeit wieder etwas in die N.Z.Z. einsenden werde, wobei ich zwischen trocknem Referiren u. persönlichen Angriffen so viel als möglich eine richtige Mitte werde zu halten suchen. Ich hätte auch Lust, bisweilen über Litterarisches zu berichten, wie ich z. B. letzten Winter einmal den «Geschichtsfreund» rezensirte.18

Es war sehr klug u. nach den Interessen der liberalen Parthei wohl berechnet, daß Du in der N.Z.Z. in der Diskussion, welche dem Berner Vertrauensvotum voranging, die Anzeichen einer bevorstehenden Vereinigung zwischen der Regierung u. dem Volksvereine finden wolltest19; ich konnte indessen schon damals solche sanguinische20 Hoffnungen nicht theilen. Die Kluft zwischen beiden Partheien war bereits zu tief; nun beharrt die Regierung, auf den Gr. Rath sich stützend, auf ihren verkehrten Maßregeln, die sie nur in's Verderben stürzen können, während der Volksverein in den Wahlen gesiegt u. offenbar das Volk für sich hat. Das Gute scheint indessen jene Diskussion doch herbeigeführt zu haben, daß die unvermeidliche Veränderung, welche dem Kt. Bern bevorsteht, auf gesetzlichem Wege durchgeführt zu werden verspricht, u. in diesem Falle könnte man sich über Reformen in Verfassung u. Verwaltung, die gewiß nicht unnöthig wären, nur freuen, wie auch ein Personenwechsel dann weniger Bedenklichkeiten darböte. Gott weiß indessen, was nach dem neuen Gewaltakte in Luzern21, der Verhaftung Cas. Pfyffer's, der wohl andre nachfolgen werden, der Schweiz wieder bevorsteht; der Eindruck auf die liberalen Kantone kann kein beruhigender seyn. Man scheint in dem, des Leuenmordes geständigen Jak. Müller22 ein willkommnes Werkzeug gefunden zu haben, in welches man, mißbeliebigen Personen gegenüber, hineininquiriren kann, was man will, wie seiner Zeit mit der berüchtigten Clara Wendel23 geübt wurde. Wenn nur nicht, auf solche Depositionen gestützt, von Eurer Regierung die Auslieferung Steigers u. andrer angesehner Flüchtlinge verlangt wird; sie würde dadurch offenbar wieder in Verlegenheit gerathen!

Es hat mich sehr gefreut, aus den Zeitungen zu vernehmen, daß Du Dich bei dem wohlthätigen | Aktienunternehmen, welches der, wegen Mißrathen der Kartoffelernte zu besorgenden Theurung durch Fruchtankäufe vorbeugen will, betheiligt hast.24 Aus Deinem Briefe muß ich schließen, daß auch bei diesen gemeinnützigen Bestrebungen Dir von Seite der Conservativen entgegengearbeitet werde; ich bin sehr begierig, etwas Näheres darüber zu erfahren.25 In unserm übervölkerten Ländchen, wo die Kartoffeln eine so bedeutende Rolle spielen, öffnen sich sehr trübe Aussichten auf den nächsten Frühling. Es ist zwar sowohl von der Regierung als auch von den Gemeinden eine lobenswerthe Thätigkeit entfaltet worden; doch fürchte ich, es sey immer noch nicht genug geschehen, u. hätte namentlich gewünscht, daß sich auch unsre gemeinnützige Gesellschaft thätiger dabei betheiligen würde. Es ist zwar in dieser ein Antrag auf ein ähnliches Aktienunternehmen, wie das Eurige, gestellt worden, was auch gewiß für unsre Verhältnisse sehr zweckmäßig wäre, u. das Comité soll nun ein Gutachten darüber bringen; allein mein Onkel26, der Präsident ist, will dasselbe nicht zusammenberufen, weil er nichts auf die Sache hält. Was läßt sich da machen?

Was den Rest unsrer Beiträge für die Befreier Steigers betrifft, so habe ich Deinen Wunsch unserm Quästor, Adv. Staub27, mitgetheilt, u. er hat mir versprochen, für baldige Einberufung des Comité's wegen dieser Sache zu sorgen, die indessen bis dahin nicht erfolgt ist.

Ich bin nun recht geschwätzig geworden u. habe einen langen u. breiten Brief zu Stande gebracht, während Dir vielleicht schnellere Berichte in der Kubli'schen Angelegenheit lieber gewesen wären. Ich hoffe indessen auf Deine Verzeihung, da ich es nicht über mich bringen konnte Dir einen bloßen Geschäftsbrief zu schicken, nachdem wir uns schon so lange nicht mehr mit einander unterhalten haben. – Empfehle mich bestens Deinen verehrten Eltern, denen ich baldige Besserung ihrer Gesundheitsumstände von Herzen wünsche, u. sey

herzlich gegrüßt von
Deinem treuen

J J Blumer-Heer.

Viele Grüße von meiner l. Frau28
u. den Meinigen.

Kommentareinträge

1 Johannes Tschudi (1819–1859), Kriminalrichter (GL), verheiratet mit Susanna Blumer (1820–1880).

2Brief nicht ermittelt.

3Gemeint ist Kaspar Kubli; siehe unten.

4 Kaspar Kubli (1777–1864), Kaufmann.

5 Johann Melchior Kubli (1750–1835), Ratsherr (GL), Regierungs- und Grossrat (SG).

6 Paul Kubli (1782–1819), Kaufmann.

7 Margaretha Kubli (1776–1843), Ehefrau von Kaspar Kubli.

8 Kubli schreibt, er habe Russland 1830 verlassen. Vgl. Kubli, Unglück, S. 7.

9Accommodement: gütliche Einigung.

10Akkordit: Schuldner, der einen Nachlassvertrag («Akkord») geschlossen hat.

11 Friedrich Ludwig Escher (1779–1845), verstorbener Plantagenbesitzer auf Kuba; Onkel von Alfred Escher.

12Sachverhalt nicht ermittelt.

13 Josef Karl Styger (1791–1850), Ratsherr und Kantonsarchivar (SZ).

14 Karl Styger (1822–1897), Jurist.

15 Martin Kothing (1815–1875), Anwalt und Privatlehrer der Söhne von Nazar von Reding.

16Brief nicht ermittelt. – An Arnold Otto Aepli richtete Escher dieselbe Anfrage. Alfred Escher an Arnold Otto Aepli, 29. Oktober 1845.

17 Vgl. NZZ, 16. September 1845.

18 Vgl. NZZ, 6. Januar 1845.

19Escher schrieb in der «Neuen Zürcher Zeitung» über die Berner Grossratsverhandlungen: «Mit ungemein großer Mehrheit hat sich der Gr. Rath für den Grundsatz des entschiedenen, jedoch nur mit gesetzlichen Mitteln zu erzielenden Fortschrittes ausgesprochen. [...] Aber sollte die letzte Großrathssitzung in Bern nicht auch zur Vereinigung der Liberalen im Kantone Bern selbst beigetragen haben? Wir glauben: Ja!» NZZ, 16. September 1845.

20Sanguinisch: lebhaft, temparamentvoll; hier: zuversichtlich.

21Gemeint ist die Ermordung Joseph Leus (1800–1845). Umwälzung der alten Ordnung, Sonderbund (1845–1847).

22 Jakob Müller (1810–1846). Müller ermordete Leu in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 1845 und wurde am 3. August verhaftet. Im Prozess wurde das Bild vermittelt, dass Müller von radikal-liberaler Seite zur Tat angestiftet worden war, was jedoch nicht belegt werden konnte. Müller wurde am 31. Januar 1846 hingerichtet. Vgl. Ammann, Kriminal-Prozedur; Ammann, Schlussberichte; Räber, Pfaffenherrschaft, S. 164–186; Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 348–350. Umwälzung der alten Ordnung, Sonderbund (1845–1847).

23 Klara Wendel (1804–1884). Blumer verweist hier auf die «Gaunerprozesse» von 1824–1826, in denen die Aussagen der heimatlosen Klara Wendel für politische Zwecke instrumentalisiert wurden. Vgl. Pfyffer, Geschichte Luzern II, S. 366–385.

24Der von Escher mitunterzeichnete Aufruf zur Aktienzeichnung wurde in der «Neuen Zürcher Zeitung» abgedruckt. Vgl. NZZ, 7. Oktober 1845 (Beilage). – Zur Kartoffelseuche vgl. Salzmann, Wirtschaftskrise; Bossard-Borner, Krise.

25Von konservativer Seite wurde ebenfalls ein Aufruf zur Aktienzeichnung lanciert. Vgl. Johann Ulrich Arbenz an Alfred Escher, 6. November 1845.

26 Cosmus Blumer (1792–1861), Landammann (GL). – Cosmus Blumer war 1844 Gründungsmitlied und erster Präsident der Glarner Gemeinnützigen Gesellschaft. Vgl. HLS online, Blumer Cosmus.

27 Josua Staub (1822–1870), Landrat (GL), Advokat und Redaktor der «Glarner-Zeitung».

28 Susanna Blumer-Heer (1820–1902), Tochter der Dorothea Heer-Schindler und des Cosmus Heer, Cousine Johann Jakob Blumers und ältere Schwester des späteren Bundesrats Joachim Heer.