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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0381 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Mittwoch, 2. Juli 1845

Schlagwörter: Finanzielle Unterstützungen, Freischaren, Jesuiten, Rat des Innern ZH, Regierungsrat LU

Briefe

Glarus den 2. Juli 1845.

Mein theurer Freund!

Dein sehr intressanter Brief, den ich heute erhalten, hat mich in mannigfacher Hinsicht ungemein erfreut. Mußte ich auch lange auf denselben harren, so hat er mich doch durch seine Einläßlichkeit über manche wichtige Punkte dafür reichlich entschädigt. Ich freue mich darauf, ihn später ebenso ausführlich zu beantworten; vorerst bitte ich dich, mit meinem warmen Danke für die Theilnahme, welche du meinen neuesten Erlebnissen geschenkt hast, sowie mit meinen Glückwünschen zu den neuen Stellen, welche du erhalten, namentlich derjenigen eines Mitgliedes des Rathes des Innern, welche ich ganz für dich passend finde, dich zu begnügen. Für heute muß ich mich darauf beschränken, über deine Einladung, für die Befreier Dr. Steiger's im hiesigen Kanton Beiträge zu sammeln, dir Einiges zu antworten. Ich habe derselben bereits insoweit Folge gegeben, als ich sie dem Präsidenten unsres ehemaligen Antijesuiten-Comité's, das sich nun in ein Unterstützungscomité für die beim Freischaarenzuge Verunglückten u. die flüchtigen Luzerner umgewandelt hat, mitgetheilt habe. Bedeutende Gaben sind indessen aus unserm Kanton nicht zu erwarten, da sich dieser bereits früher fast über seine | Kräfte in dieser Suche angestrengt hat. Damit ich persönlich aber mich der Sache eifrig annehme, bedarf ich zuvor noch der beruhigenden Gewißheit, daß die drei Landjäger nicht durch Bestechung oder durch irgend welche bestimmte Versprechungen einer nachherigen reichlichen Entschädigung, sondern durch politische Motive oder durch persönliche Achtung u. Freundschaft für Steiger zu ihrem Schritte veranlaßt worden seyen. Gegenwärtig kann ich den Verdacht des Gegentheils, der nicht etwa durch die konservativen Blätter, sondern durch die unmittelbare Kunde des Ereignisses in mir erweckt wurde, noch nicht unterdrücken; denn ich argumentire, die Luzerner Regierung werde zur Bewachung eines Gefangnen, an dessen Festhaltung ihr so viel gelegen war, doch nur Leute gebraucht haben, die sie für ganz zuverläßig halten mußte, bei denen sie nicht die geringste politische oder persönliche Sympathie für Steiger erwarten konnte. Ueber diesen Punkt also möchte ich dich noch um Aufschluß bitten; denn ich stelle mir vor, daß du bei deinen nahen persönlichen Beziehungen zu Männern, welche mit dem Ereignisse genau vertraut sind, darüber Gewißheit haben müsstest. Wäre dieses nicht der Fall, so wünschte ich wenigstens deine moralische Ueberzeugung zu erfahren. Viele Liberale hier denken ungefähr wie ich; um so nothwendiger ist es, daß man der Sache auf den Grund sehe. Da Beschleunigung in dieser Angelegenheit allerdings sehr wünschenswerth ist, so muß ich dich natürlich ersuchen, mir sobald als möglich zu antworten.

Den Brief an Kubli habe ich, mit seiner Adresse versehen, der hiesigen Post übergeben. Kubli war wegen bewußter Sache vor einiger Zeit einmal bei mir u. sagte mir, | er sey von Hrn. Landammann Schindler in Zürich, den er wahrscheinlich in rechtlicher Beziehung consultirte, an mich gewiesen worden, als an den einzigen Landsmann, der ihm, wegen meines Verhältnisses zu dir, helfen könne! Natürlich eine sehr wohlgemeinte Empfehlung! Ich verdeutete ihm, ich pflege mit dir nicht über Eure ökonomischen Verhältnisse zu correspondiren u. jedenfalls würde meine Intervention gegenüber Euerm gewiß wohl überlegten Entschlusse nichts mehr nützen; worauf er erwiederte: das habe er eigentlich selbst gedacht!

Empfange, nebst meinen angelegentlichen Empfehlungen an deine verehrten Eltern u. Schwester die herzlichsten Grüße von

deinem

J J Blumer-Heer.

Die Meinigen sind alle wohl u. lassen dich bestens grüßen.