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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0305 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Dienstag, 5. Dezember 1843

Schlagwörter: Berufsleben, Mittwochgesellschaft

Briefe

Glarus den 5. Dezember 1843.

Mein theurer Freund!

So sehr mich deine Einladung, schon diese Woche dich zu besuchen, gefreut hat, so kann ich doch derselben für einmal nicht entsprechen. Nicht als ob mich der akademische Ball daran hinderte; im Gegentheil hätte ich denselben um so lieber mitgemacht, als für unser hiesiges geselliges Leben in diesem Winter sich sehr schwache Ansichten darbieten, u. meine l. Frau würde, im festen Vertrauen auf deine sorgfältige Beaufsichtigung, sehr gerne zugestimmt haben. Dagegen erlauben es mir meine Geschäfte wirklich durchaus nicht. Wenn ich auch von praktischen Angelegenheiten, die sich allenfalls für eine Woche zurücklegen ließen, ganz absehe, so ist es vorzüglich eine von der Direktion der schweizr. geschichtforschende Gesellschaft an mich erlaßne Einladung, meine für das Archiv bestimmte Abhandlung bald einzusenden, welche mich veranlaßt, diese zuerst ganz in's Reine zu bringen, ehe ich meinen hausväterlichen Heerd verlasse. Dazu ist zwar nicht einmal mehr die letzte Feile nothwendig, sondern es bedarf bloß noch einiger Ergänzungen; jedoch da ich mich nicht fortwährend damit beschäftigen kann, sondern mannigfache Amts- u. Privatgeschäfte, die ich nun einmal hier nicht abweisen kann, mich daran stören werden, so werde ich wohl noch etwa eine Woche dazu brauchen. Ich habe mich daher entschlossen, soferne meine Geschäfte es mir dann verstatten u. die Witterung nicht allzu rauh ist, den kommenden Mittwoch (den 13. d. M. ) zu Euch zu kommen. Ich lege nämlich wirklich großen Werth darauf, einmal Eurer Gesellschaft beizuwohnen, die mich nun wegen der Entwicklung, die sie in der letzten Zeit erhalten hat, doppelt intressirt, u. glaube von dir vernommen| zu haben, daß sie sich jeden Mittwoch regelmäßig versammele. Sollte dir indessen in der nächsten Woche mein Besuch ungelegen seyn, so bitte ich dich sehr, mir es ganz ohne Umschweife anzuzeigen. Sollte ich meinerseits daran verhindert werden, so würde ich dich davon ebenfalls bei Zeiten in Kenntniß setzen u. dann, da ich in diesem Falle mein Vorhaben vielleicht erst nach längrer Zeit ausführen könnte, ausführlicher sowohl deinen Brief beantworten, als auch von meinen dermaligen Beschäftigungen dir Rechenschaft geben. Wenn von keiner Seite weiter geschrieben wird, so darfst du mich auf den genannten Tag bestimmt erwarten.

Meiner l. Mutter geht es gegenwärtig recht ordentlich; ich hoffe auch von der deinigen das Nämliche erfahren zu können. Empfehle mich bestens deinen verehrten Eltern, u. empfange die herzlichsten Grüße von den Meinigen u. meiner l. Frau, wie auch

von
deinem treuen

J J Blumer.