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Korrespondenz: Alfred Escher – Arnold Otto Aepli

AES B0304 | KBSG VNL 38 : B : 18

Alfred Escher an Arnold Otto Aepli, Belvoir (Enge, Zürich), Samstag, 2. Dezember 1843

Schlagwörter: Rechtliches

Mein lieber!

In meinem letzten Briefe habe ich leider vergessen, dir auch in Beziehung auf die zu veranstaltende Abschrift des Keller'schen Collegienheftes über Zürch. Civilprozeß meine Dienste anzubieten. Du hast mir Deinen dießfälligen Wunsch schon im Herbste 1842 mitgetheilt. Da ich nun unmittelbar nachher Zürich verließ, so habe ich Brändli mein Heft übergeben & ihm aufgetragen, sich deshalb mit dir in Verbindung zu setzen. Wie es scheint, ist nun aber noch nichts geschehen. J. Escher hat mittlerweile mein Heft abgeschrieben & es mir dann wieder zugestellt, so daß es seit einigen Monaten wieder in meinen Händen ist. Ich gewärtige nun in Beziehung auf diesen Gegenstand Deine Aufträge & werde mir ein Vergnügen daraus machen, sie zu erfüllen.

Weder hat sich so unendlich hölzern in der bewußten Streitsache ausgesprochen, daß mir nichts anderes übrig blieb als die Sache aus seinen Händen zu| nehmen. Aber in welche soll ich sie nun legen? Dein Brief liegt vor mir, in dem Du mir Lutz von Rheineck & wenigstens für ein Gutachten Fürsprech Müller in Wyl anräthst. Es scheint mir aber, es wäre weder für Müller ermuthigend, einem andern Advocaten bloß seine Räthe zu geben, die Sache aber nicht selbst zu führen, noch für Lutz schmeichelhaft, gewissermaßen bloß zu vollziehen, was Müller ihm geboten. Überdieß würden wohl auch, wenn mein Vater einen begutachtenden und einen vollziehenden Advocaten anstellen würde, die Kosten, die sonst schon genug anwachsen werden, bedeutend vermehrt. Soll also bloß Ein Anwald angestellt werden, so ersuche ich dich, da ich die in Frage kommenden Persönlichkeiten durchaus nicht kenne, mir einen definitiven Rath betreffend die Person dieses Anwaldes zu geben. Bezeichne mir doch gefälligst die Person dessen, den Du mir anräthst, in Beziehung auf Name & Lohnart ganz genau.

Ich habe gegen den Pfandschuldner, von der rechtlichen Nichtigkeit der Zugerklärung meines Vaters ausgehend, den Rechtstrieb auf Capital & Zinsen erhoben. Er hat Recht vorgeschlagen. Muß nun etwa bei Vermeidung von irgend welchen nachtheiligen Folgen die Klage innerhalb einer bestimmten Zeitfrist beim Vermittleramte anhän| gig gemacht werden?

Eine wichtige Frage in dem vorliegenden Rechtsstreite ist natürlich die, ob, auch falls wir mit der Schadensersatzklage gegen den Gemeindrath Jona durchdringen, bei diesem der erlittene Schaden erhohlt werden könne. Diese Frage hängt wesentlich auch von der weitern, ob nach den St. Gallischen Gesetzen jedes Gemeindrathsglied oder seine Erben bloß pro parte oder in solidum haften und im letztern Falle, ob sie von Anfang an in solidum haften oder ob ihnen wenigstens das beneficium excursionis zu gute komme?

Willst Du nun so gefällig sein & mir mit möglichster Beförderung auf die in diesem Briefe enthaltenen Fragen antworten. Du siehst wohl selbst am besten ein, wie sehr die schon so lange angehobene Streitfrage nun beförderlicher Anhandnahme bedarf.

Mit herzlichen Gruße

Dein

A Escher

Belvoir bei Zürich.
2 Dez. 1843.