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Korrespondenz: Alfred Escher – Theodor Waitz

AES B0293 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#523*

In: Jung, Aufbruch, S. 245 (auszugsweise)

Theodor Waitz an Alfred Escher, Gotha, Mittwoch, 9. August 1843

Schlagwörter: Reisen und Ausflüge, Universitäre Studien

Briefe

Mein lieber Pariser!

Fast muß ich bei Ihnen um Verzeihung bitten, daß ich selbst in Ihrem Vaterlande Ihnen keine Ruhe lasse. Ich denke mir nämlich Sie sind nun wieder in's Vaterhaus eingezogen und fühlen gleich mir, daß es doch nirgends schöner ist als zu Hause. Wenn ich Ihnen nun gleich mit einer Bitte gestiegen komme, so ist der Grund davon besonders, daß ich Tschudi nicht gern verfehlen möchte, wenn er noch hierher kommen wird. In seinem Briefe sagt er mir, daß er in der ersten Hälfte des October in Gotha eintreffen werde. Leider eine unglückliche Zeit für mich, da der Philologenverein in Kassel mich zu einem kleinen Ausfluge lockt. Da ich nun Tschudis Adresse nicht weiß, so bin ich so frei mich an Sie zu wenden mit der Bitte ihm wo möglich die Nachricht zukommen zu lassen, daß es für mich unschätzbar seyn würde, wenn er Ende September oder in der letzten Hälfte des October mit seinem Besuche mich erfreuen wollte. Oder hat er Lust mir in Kassel Gesellschaft zu leisten? Doch der große Philologenkram interessirt ihn wohl nicht. Sie kennen mich auch darauf. Ich gehe nur hin um einige Bekanntschaften zu machen. Wie steht es mit Ihrer Reise nach England und Italien? Sind Sie entschieden? Dann Glück auf die Reise. Ich wollte ich könnte mit Ihnen. Dann könnte ich gewiß| noch ein ächter Republikaner werden. Vor der Hand will noch nichts aus mir werden. Ich studire mäßig, es geht langsam vorwärts, wahrscheinlich auf eine Universität los – entschieden bin ich noch für keine. Schreiben Sie mir doch wie es Ihnen geht. Ich bin begierig Ihre ferneren Erfahrungen in Paris zu hören und die Feuer- und Wasserproben, die Sie unstreitig noch werden zu bestehen gehabt haben. Sie wissen, daß mich stets die Damen besonders interessiren, vor Allen die Specialitäten, die sie mich finden gelehrt.

Von Herzen der Ihrige

Theodor Waitz

Gotha den 9ten August 1843.

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