Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0269 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Sonntag, 4. September 1842

Schlagwörter: Reisen und Ausflüge, Universitäre Studien

Briefe

Glarus den 4. September 1842.

Mein theurer Escher!

Du wirst es mir nicht verübeln, daß ich schon lange einen Brief von dir erwarte u. mir dein fortdauerndes Stillschweigen nicht recht zu erklären weiß. Solltest du wirklich deine Promotion noch nicht vollzogen haben? u. aus welchen Gründen? Oder solltest du vielleicht gar in Folge der frühern zu großen Anstrengung krank ge worden seyn? Du weißt, wie sehr ich mich auf unsre Zusammenkunft in Appenzell freue; ich glaube, daß dieser Ort sich für uns ganz vorzüglich dazu eignet, nicht blos einige recht frohe Tage zu verleben, sondern auch uns über alles, was uns gemeinschaftlich intres sirt, recht ungestört u. frei zu besprechen, wornach ich eine wahre Sehnsucht habe. Um so ungeduldiger wartete ich auf die Nachricht, daß du dich dorthin begeben werdest u. mich dort auch erwartest. Ich glaubte immer, dies werde noch im Laufe des Augusts geschehen; nun ist es September geworden, u. ich bin noch ohne Berichte. Sollte sich aus mir unbe kannten Gründen deine Promotion so weit hinausschieben, daß du dieses Jahr gar nicht mehr oder erst im Oktober, wo es mir nicht mehr möglich wäre dir zu folgen, nach Appen zell gehen würdest, so würde ich wahrscheinlich die gute Jahreszeit benutzen, um sonst noch einen kleinen Ausflug zu machen, da ich vor dem Winter jedenfalls noch ein we nig aus meinem Loche herauszukommen wünschte. Ich bitte dich daher sehr, mir nur mit wenigen Zeilen darüber Aufschluß zu geben, wann du promoviren werdest u. wann du nach Appenzell zu gehen gedenkest.

Von mir kann ich dir wenig Neues berichten. Ich habe die schöne Sommerszeit seit meinem letzten kurzen Besuche bei dir, mit Benutzung unsrer für Ausflüge so gün stigen Lokalität, recht vergnügt zugebracht, nebenbei auch fleißig gearbeitet. Der Man gel eines in meiner Nähe wohnenden Freundes wird mir zwar immer fühlbarer; jedoch leistet mir der Umgang mit meiner lieben Braut für vieles reichlichen Ersatz. Näheres | melde ich dir nicht, ehe ich von dir wieder einmal etwas erfahre. Nur die Nachricht will ich dir beifü gen, daß Zwicki nun zum wirklichen Pfarrer von Betschwanden erwählt ist u. heute seine Eintrittspre digt hält. Möge seine künftige Amtsführung seiner Gemeinde zum Segen, ihm selbst zum Ruhme gereichen! Seine Amtsgeschäfte u. nun etwas weitre Entfernung von hier bringen es zwar mit sich, daß wir einander etwas seltner als letztes Jahr sehen, jedoch haben wir auch schon gemeinschaftliche Ausflüge gemacht. Aepli war zu meinem großen Vergnügen wirklich hier, hat aber leider sehr schlechtes Wetter getroffen u. ist daher bald wieder abgereist. Von Christoph Tschudi werde ich dir mündlich wieder viele curiosissima erzählen können.

Die Meinigen sind wohl u. lassen dich grüßen. Empfehle mich auch bestens dei nen Eltern u. sey auf's herzlichste gegrüßt von

deinem treuen

J J Blumer.