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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0249 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Donnerstag, 22. Juli 1841

Schlagwörter: Krankheiten, Reisen und Ausflüge

Briefe

Glarus den 22. Juli 1841.

Mein theurer Escher!

Ich hoffe zuverlässig, daß nun jedenfalls der traurige Zustand, wo du einen Brief von mir nicht hättest lesen können, wenn er wirklich zu Anfange deiner Krankheit vorhanden war, längst vorüber seyn werde, u. ich will daher nicht länger anstehen dir mein innigstes Bedauern darüber auszudrücken, daß unser schöner Reiseplan auf so unerwartet unangenehme Weise gestört worden ist. Es ist zwar jedenfalls besser, daß, wenn doch einmal der Krankheitsstoff zum Ausbruch kommen mußte, dieses vor der Reise geschah, als wenn es – woran ich kaum denken darf – während der Reise geschehen wäre; aber ich muß es doch vorzüglich bedauern, daß deine Krankheit grade wieder in diese schöne Sommerszeit gefallen ist, wie denn überhaupt ein eignes Mißgeschick über deinen Reisen zu schweben scheint, da du schon mehrmals, wenn du eine Reise zu unternehmen dich anschicktest, krank geworden bist. Ich hatte diese Tage über, während deren ich dich bei mir wohnend mir schon so lange vorgestellt hatte, ein wahres Heimweh nach dir, da ich mich so sehr darauf gefreut hatte, dich sowohl mit unserm Lande u. seinen Naturschönheiten, als auch mit allen meinen nähern Verhältnissen, über welche du mir gewiß manchen guten Wink gegeben hättest, bekannt zu machen. Nun darf ich an einen solchen Besuch wohl nicht mehr denken; denn vor dem Ende der Ferien wirst du bei dem heftigen Charakter, den deine Krankheit gleich von Anfang an gehabt zu haben scheint, kaum im Stande seyn dich von Hause zu entfernen, u. wenn du dann auch unmittelbar nach deiner Genesung dich irgendwohin zu deiner Erholung begeben wolltest, so würdest du doch eher ein Bad vorziehen. Solltest du indessen, besonders wenn du nur etwa für kürzere Zeit dich entfernen möchtest, immer noch an Glarus zu denken geneigt seyn, so wiederhole ich für diesen Fall auf's dringendste u. herzlichste meine Einladung. Daß ich nun allein unsre beabsichtigte Reise nicht ausführen werde, wirst du wohl als sich von selbst verstehend annehmen; ich könnte dies aber auch nicht mit einem Andern thun, weil ich sicher bin, dadurch nur um so schmerzlicher an den mir fehlenden Freund erinnert zu werden. Daß aber auf diese Weise meine Reise unterbleibt, ist mir um so unangenehmer, als ich wirklich jetzt das lebhafteste Bedürfniß fühle, mich für einige Zeit von Hause zu entfernen, um durch neue Eindrücke gestärkt | u. erfrischt in die Einförmigkeit des hiesigen Lebens zurückzukehren, wozu mir auch die eben jetzt beginnenden Gerichtsferien den besten Anlaß bieten würden. Um diesen Drang wenigstens einigermaßen zu befriedigen, habe ich mit Zwicki med. die Abrede getroffen, ihn u. Hauser, der ihn Samstag od. Sonntag über 8 Tage hier abholen will, über den Klausen u. Kinzigkulm nach dem Rigi u. nach Zug zu begleiten, so daß ich also doch Eure projektirte Pfingstreise, auf die ich damals nicht eingehen wollte, nachträglich noch machen würde. Bis dahin werde ich mich nun an die auf Mullern residirenden Theologen noch vorzüglich halten müssen. – Ueber meine bisherige Gerichtspraxis will ich für jetzt lieber noch schweigen, da die Zeit, seitdem ich diese Laufbahn betreten habe, noch zu kurz ist, um schon ein genügendes Urtheil darüber abgeben zu können; ich behalte mir also vor, dir später einmal ausführlich über diesen Gegenstand zu schreiben.

Ich schließe mit dem herzlichen Wunsche, daß du deine so bedauerliche Krankheit bald völlig überstanden haben mögest. Empfehle mich deinen Eltern u. sey herzlich umarmt von

deinem

J J Blumer.