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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0230 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Dienstag, 22. Dezember 1840

Schlagwörter: Feiern und Anlässe

Briefe

Glarus den 22. Dec. 1840.

Mein theurer Escher!

Dein längst ersehnter Brief brachte mir einen sehr angenehmen Antrag, den ich auch ziemlich bestimmt erwartet hatte. Nur bedauern muß ich, daß der Tag, welchen du für eine Zusammenkunft vorausstellst, nämlich der 2te Jänner, sich mir durchaus nicht schickt, indem ich grade an diesem Tage ein Familienfest habe, das ich um so weniger schwänzen darf, als es nun seit 7 Jahren das erste Mal ist, daß ich wieder daran Theil nehmen werde, also bestimmt auf mein Erscheinen gerechnet wird u. ich durch mein Ausbleiben sämtlichen Verwandten vor den Kopf stoßen würde. Auch auf Sonntags den 3ten bin ich versprochen für eine Gesellschaft, die ich auch nicht gerne unbesucht lassen möchte. Dagegen ist mir der 4. Jänner (Montag) ganz recht, wenn auf diesen Tag Euer Berchtholdstag verlegt wird, u. ich hoffe, du werdest dann wohl auch noch Dienstags Ferien haben oder allenfalls einige Stunden schwänzen können, da du zur Rückkehr nach der Residenz doch nicht den ganzen Tag brauchtest. Der Montag wäre in jenem Falle auch jedenfalls passender als der Sonntag, weil der famose Feinschwof Eurer Ost- u. Südprovinzen, den man dann allenfalls mitmachen oder wenigstens ansehen könnte, doch wohl auch Montag seyn würde. Sollte aber der Berchtholdstag seinen gewohnten Verlauf haben oder solltest du sonst nicht auf diesen ersten Vorschlag eingehen können, so schlage ich dir nächsten Sonntag als den 27. dies nebst dem Montag, so viel davon nötig ist, vor, oder wenn dir irgend ein andrer Tag der nächsten Woche bis Donnstag (wo ich wieder zu Hause seyn sollte) lieber seyn sollte, so ist es mir auch recht. Ich wünsche also nur, daß du von diesen meinen beiden Vorschlägen einen annehmen mögest (da du jedenfalls keine so triftigen Gründe auszuschlagen haben wirst, als ich mit Bezug auf den ersten deinigen) u. dies mir so bald als möglich anzeigest. Als Ort der Zusammenkunft würde ich jedenfalls Rapperschwyl vorschlagen; ich gebe ihm den Vorzug vor Lachen theils wegen der Annehmlich| keit des Orts an sich theils wegen der Mühe der Stäfner u. des gedachten Balles; Stäfa aber wäre mir für das erste Zusammentreffen doch etwas zu weit u. ungelegen. Haben wir dann Lust u. Zeit dazu, so können wir immer noch dahin wandern, wie letzten Herbst. Ich würde dann also in Rapperschwyl ungefähr um 1 oder 2 Uhr des von dir approbirten Tages eintreffen, indem ich den GlarnerZürcher Eilwagen benutzen würde. Streif hat mir versprochen mitzukommen, wenn es ihm seine Geschäfte erlauben; mit Christ. Tschudi habe ich noch nicht darüber gesprochen, ich darf aber kaum auf ihn zählen. Von unsern Zürcher Freunden würde ich Brändli am liebsten sehn; rede ihm doch ja zu, daß er sich einfinden möge. Auch Hauser, Honegger, Wegmann werde ich übrigens recht gerne dort antreffen. – Auf deinen Brief will ich sonst nicht weiter eingehen, da wir uns über alles darin Enthaltne mündlich besser besprechen können. Nur das will ich dir noch sagen, daß mich das vortreffliche Gelingen Eures Studentenballs, das ich nicht in diesem Grade erwartet hätte, herzlich gefreut hat. Wenn die Bemühungen des Central-Ausschusses zu einem eben so erwünschten Resultate führen, so soll mir dies die liebste Widerlegung meiner Einwendungen dagegen seyn. Meine Erfahrungen sprechen freilich dagegen, aber Alles kömmt ja im Grunde auf die Persönlichkeiten an, u. die sind freilich jetzt ganz anders als früher. – Daß mich übrigens unser Zusammentreffen entzücken wird, wie mich bereits dein Antrag als ein Zeichen deiner unveränderten Gesinnung gegen mich entzückt hat, daß ich es als eine Oase in der Wüste dieses ersten Glarner Winters (der übrigens auch sein Angenehmes hat, so daß ich mein gegenwärtiges Daseyn nicht gerade verwünsche) betrachte, – brauche ich dir nicht erst zu sagen. – In Erwartung einer schleunigen, meinen Wünschen entsprechenden Antwort grüßt dich herzlich

dein

J J Blumer.

Grüsse mir alle meine Bekannte u. empfehle mich deinen Eltern.
Auch Streif läßt dich grüßen.