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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0224 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Freitag, 2. Oktober 1840

Schlagwörter: Berufsleben, Freundschaften

Briefe

Glarus den 2. Oct. 1840.

Mein theurer Escher!

Es sind kuriose Veränderungen mit mir in letzter Zeit vorgegangen. Des Gedankens voll, bald Philister zu werden, leerte ich den Freudenbecher des Studentenlebens noch bis zum Grunde, so daß ich mir selbst oft in (seltnen) ruhigen Augenblicken als ein merkwürdiges Amphibium vorkam. Kaum in's Philisterium eingerückt, werde ich nun gar – Soldat; ich muß nämlich eine Cadetteninstruktion durchmachen, welche 3 Wochen dauert. Du kannst dir leicht denken, daß mir die mechanische Exerzirerei etwas langweilig u. beschwerlich vorkömmt; doch weißst du auch aus Erfahrung, daß bei mir der Reiz der Neuheit immer stark wirkt u. zugleich erblicke ich doch eigentlich eine Bürgerpflicht darin, daß man mit den Waffen umzugehen wisse, u. halte dafür, es werde durch solche Waffenübungen ein Kraftgefühl erweckt, das auf keine andre Weise zu erreichen ist. Sehr bedauern aber muß ich es, daß ich durch diese neue Laufbahn, in welche ich mich verstrickt habe, so ziemlich abgehalten bin, deinen Besuch zu empfangen; denn du begreifst leicht, daß, so gerne dich auch meine Familie u. deine andern hiesigen Freunde hier sehen würden, ich meinerseits doch kaum wünschen kann, daß du hier eintreffest zu einer Zeit, wo ich deinen Umgang durchaus nicht genießen könnte. Sollte es dir möglich seyn, vom 17. dies an mich zu besuchen – woran ich freilich leider zweifeln muß –, so würde es mir unendlich angenehm seyn; sonst lade ich dich des bestimmtesten auf die Sommerferien des nächsten Jahres ein. Ich melde dir dies mit tiefer Betrübniß; denn jetzt wäre dein Besuch am sichersten gewesen u. ich hatte mich schon lange darauf gefreut, dich einmal in meinen Familienkreis einzuführen u. dir vielleicht einen geringen Theil der freundschaftlichen Aufnahme wiederzuerstatten, die mir stets in deinem Hause zu Theil wurde. –

Mit Gruß!

Dein

Blumer.

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